Existenziell ist nicht genug

Hersants «Schwarzer Mönch» in Leipzig, Heggies «Dead Man Walking» und Mayers «Passage» in Dresden

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Schwester Helen ist eine besondere Nonne. Im Duett mit dem Todeskandidaten Joseph trällert sie Songs von Elvis Presley, deutet an, dass sie das Zeug zum Partygirl hätte. Es ist jene Szene im zweiten Akt von Jake Heggies «Dead Man Walking», die uns die Vielseitigkeit der sozial engagierten Katholikin aus New Or­leans zeigen möchte, sie endgültig zur Heldin des Alltags erhebt. Und es ist tatsächlich ein besonderer Moment. Denn auch das Werk selbst bekennt hier Farbe, gestattet sich eine buntscheckige Lebendigkeit, die ihm sonst fehlt.


Die Oper ist einer realen Geschichte und dem gleichnamigen Film nachempfunden. Sie erzählt von einem Doppelmörder, der kurz vor seiner Hinrichtung zum Geständnis seiner Tat und damit zu einer moralischen Wende gelangt. Doch trotz der brisanten Thematik: Heggie hat eine Oper geschrieben, die in ihren versand­haus­­katalogartigen Adaptionen der euro­päischen Musik­geschichte beinahe überraschungsfrei daherkommt – wie das gravitätisch auftrumpfende Gegenstück zu «Europeras» von John Cage. Dass das Stück bei der Europä­ischen Erst­aufführung in der Dresdner Semperoper trotzdem Zustimmung erntete, ist leicht zu begründen. Das Libretto (Terence McNally) ...

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Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 15
von Jörn Peter Hiekel

Vergriffen
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