Geschwärzte Herzen

Verdi: Otello Antwerpen / Opera Vlaanderen

Opernwelt - Logo

Mit ungeheurer Brutalität steigt Verdi in seinen «Otello» ein, mit Lärm statt Wohllaut: Donner, Blitz, sturmgepeitschtes Meer. Otellos Segelschiff steht kurz vor dem Kentern, die Leute im zyprischen Hafen sind panisch oder zynisch, wie Jago, der von Anbeginn die Fäden für den Untergang des venezianischen Generals und seiner Frau Desdemona spinnt.

Von äußerem Aufruhr ist auf der Antwerpener Bühne allerdings nichts zu sehen. Keine Wellen, kein Schiff, keine Stadt. Alles ist schwarz. Aus schweren Quadern scheint der Raum gebaut.

Spärlich ist die Szenerie beleuchtet, kein Mobiliar nirgends, bis zum Schluss bleibt alles im Halbdunkel. Die Figuren huschen durch schmale, fast unsichtbare Schlitze herein, finden aber nur schwer wieder hinaus. Die von Henrik Ahr mit architektonischer Wucht entworfene Bühne ist eine Kammer des Schreckens, eine klaustrophobische Welt aus Misstrauen, Eifersucht und Intrige.

In ihrem Wahn eingeschlossen sind sie alle, Otello, Jago, Cassio, nur Desdemona sieht mehr, vermag den Irrsinn aber nicht aufzulösen. Ihr orphisch-schöner Gesang kann die geschwärzten Herzen nicht erweichen. Obwohl man es der amerikanischen Sopranistin Corinne Winters durchaus zugetraut ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Christoph Schmitz

Weitere Beiträge
Faustisch ruhelos

Fortschritt oder Reaktion, einfach oder kompliziert? (Gewissens-)Fragen, die die Kulturgeschichte durchziehen. Arnold Schönberg, «konservativer Revolutionär», pries Brahms als «the progressive», hielt gleichwohl der Frage, ob er Wagnerianer oder Brahmsianer sei, trotzig weanerisch entgegen: «Ich bin Selberaner.» Und immer wieder erhebt sich das Bild des Januskopfs,...

Selten stimmig

Beeindruckend, wie sich das stilistische Bewusstsein für Mozarts Jugendopern entwickelt hat: Noch vor dreißig Jahren musste man sich mit den lauwarmen Aufnahmen Leopold Hagers begnügen, heutzutage wird das Gros der Interpreten den Werken zwischen Spätbarock und Frühklassik gerecht – unbestritten ein Verdienst der historischen Aufführungspraxis. Nicht von ungefähr...

Impressum

Impressum

57. Jahrgang, Nr 4
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752288

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de

Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 09.03.2016

Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....