Spurensuche
Für den imaginären, idealen Solisten waren die Arien nie gedacht. Barocke Oper, das hieß vor allem Maßanfertigung – egal, ob das durch den dramatischen Augenblick gerade motiviert war oder nicht. Eventuelle Schwächen der Stars wurden gekonnt kaschiert: War die Stimme zu wenig umfangreich, wurde mehr Zierrat eingeflochten. Und war die Kollegin in den Wiederaufnahmen vokal anders gestrickt, gab es eben eine neue Arie, und die alte wanderte in den Papierkorb.
Von all dem «erzählen» diese zwei CDs.
«Hidden Handel» mit der Mezzosopranistin Ann Hallenberg ist dabei wörtlich zu nehmen. Neun der zwölf Arien wurden noch nie eingespielt. Und fast alle sind aus Zweit- und Drittfassungen von Händels Opern. Die Nachkomposition in «Rinaldo» galt zum Beispiel Anastasia Robinson (1692-1755), die sich nach einer Krankheit vom Sopran zum Mezzosopran wandelte. Die für «Pirro e Demetrio» dem Kastraten Antonio Bernacchi (1690-1756). Und die für «Alessandro» der Mezzosopranistin Faustina Bordoni (1697-1781).
Über den Vokalzuschnitt dieser historischen Stars sagt die CD nur bedingt etwas aus, der Einsatz einer einzigen Sängerin nivelliert die Unterschiede. Dafür aber sagt dieses Recital etwas aus über Ann ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Markus Thiel
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