Wahlverwandtschaften

Lucio Gallo ist auf deutschen Bühnen ein häufiger Gast – in Berlin, Hamburg, München, Dresden oder Frankfurt. Doch anders als seine Fach­kollegen aus der Heimat wird er nicht nur gerufen, wenn Verdi oder Puccini auf dem Spielplan stehen. An der Deutschen Oper Berlin war er Eugen Onegin in Götz Friedrichs Inszenierung von Tschaikow­skys Oper, in Frankfurt hat er seinen ersten Fliegenden Holländer absolviert. Das deutsche Repertoire nimmt in seinem Terminkalender einen immer größeren Raum ein. Pizarro in «Fidelio» und Woz­zeck hat er schon gesungen, viele weitere Aufgaben werden in nächster Zeit folgen. In Italien wiederum hat sich Gallo auch einen guten Ruf als Interpret deutscher Kunstlieder erworben. Auf dem Zenit seiner Laufbahn angelangt, widmet sich der jetzt siebenundvierzigjährige Künstler mit Leidenschaft auch pädagogischen Aufgaben.

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Herr Gallo, Sie sind dem deutschen Publikum seit vielen Jahren ein Begriff, aber über Ihre Anfänge ist hier nicht viel bekannt. Wie sind Sie zum Singen gekommen?
Gesungen habe ich schon immer, zuerst vor allem Popmusik, ein paar Jahre auch professionell. Als ich später am Konservatorium Kontrabass studierte, riet mir ein guter Freund, meine Stimme ausbilden zu lassen.  Bis dahin hatte ich nie an die Möglichkeit gedacht, Opern­sänger zu werden, und die Oper auch nie geliebt. Schon der Gedanke schien mir bizarr, vom Jazz zur E-Musik zu wechseln.

Doch es gibt im Leben manchmal wichtige Begegnungen, die plötzlich alles ändern. Ich hatte das Glück, in Elio Battaglia einen Lehrer und später auch Freund zu finden. Er hat die deutsche Liedkunst in Italien eingeführt, und er hat auch mich zum Kunstlied und zur Oper geführt, nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich. Er führte mich zu einem Gesangsstil, der meinem bisherigen total entgegengesetzt war. Die ersten anderthalb Jahre haben wir die Oper nicht berührt, sondern nur Lieder studiert, deutsche Kunstlieder, und es war für mich leichter, von Sinatra und Bernstein zu Schubert und Schumann zu wechseln, als gleich «Lucia di Lammermoor» ...

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Opernwelt August 2006
Rubrik: Interview, Seite 34
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
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