Flucht in den Dschungel
Ein paar Minuten sitzt man im Dunkel, noch halb betäubt vom ersten Teil, da fallen Gazebahnen von der Decke. Schwarze Leinwände, auf denen es flimmert. Sonnenstrahlen funkeln durchs Dickicht, Bäume und Blätter sind als Projektion zu ahnen. Und dann diese Geräuschkulisse: kein fernes Affengekreisch, kein Zischeln und Rauschen aus dem Klischee-Kino, sondern ein Kaleidoskop aus Tonhäppchen, Glocken, Schlagwerk-Episoden. Ferne Blaskapellenklänge wehen herein, zwei Vokalakrobaten hecheln und stöhnen sich die Seelen aus dem Leib.
Tremolierende Sänger ziehen Kisten vorbei, und wie von einem freundlichen Herrn in der Pause aufgefordert, irrt man durch den Kunst-Urwald. Eher schulterzuckend als gebannt: eine Begegnung mit dem Fremden? Mit der vielstimmigen, angeblich so beunruhigenden Natur?
«Amazonas» war das Prestige-Projekt der diesjährigen Münchener Biennale, die unter dem Motto «Der Blick des Anderen» für neue Perspektiven warb. Eine Mega-Uraufführung. Erklärte Krönung und Konzentration aller Anstrengungen. Mit vielen Kraftakten und noch mehr lobenswerten Vorsätzen entstand der 210-minütige Dreiteiler in der Reithalle am Rande des Stadtzentrums. Er widmete sich dem ausgebeuteten Urwald ...
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Drei Sängerpersönlichkeiten, die ein Stück Musikgeschichte mitgeschrieben haben, sind im Mai von der Bühne des Lebens abgetreten. Zwei von ihnen machten Weltkarriere, verloren dabei aber nie die Bodenhaftung – stets waren sie in funktionierende Ensembles eingebettet; der dritte war der Typ des Ensemblesängers schlechthin, einer Spezies, die schon lange vom...
Mehr als 250 Mitwirkende auf und hinter der Bühne, 490 Kostüme, 202 Perücken, 396 Paar Schuhe, 500 Kulissenteile, 42 Szenenbilder, 70 Bühnenfahrten – ein größerer Aufwand ist an der Norwegischen Nationaloper noch nie für eine einzelne Produktion getrieben worden. Geld spielte bei dieser verspäteten Uraufführung in Oslo, mit der das neue «weiße» Haus am Hafen...
Müsste «Der ferne Klang» nicht die Oper aller Opern sein? Bereits Franz Schrekers Titel signalisert die nicht auseinanderdividierbare Identität von Inhalt und Ausdrucksmittel. Im Zentrum steht die lebenslange Suche des Komponisten Fritz nach dem Klang an sich. Also: Musik über Musik, eine Oper über eine Oper, die nämlich, an der Fritz im Finalakt letztlich...
