Modellhafte Interpretationen

Pierre Audis Amsterdamer ­Monteverdi-Zyklus auf DVD

Opernwelt - Logo

Claudio Monteverdi spielt im Repertoire der großen internationalen Bühnen schon längst nicht mehr die Außenseiterrolle, in die er lange abgedrängt war. Es gab in den letzten vierzig Jahren viele wichtige, ja bahnbrechende Interpretationen in szenischer wie musikalischer Hinsicht. Der Ams­terdamer Zyklus seiner drei abendfüllenden Opern, der jetzt bei Opus Arte auf DVD veröffentlicht wurde, hat gleichwohl neue Qualitätsmaßstäbe gesetzt.


Regisseur Pierre Audi nimmt eine deut­liche Gegenposition ein zum barock-opulenten Musiktheater Jean-Pierre Ponnelles, aber auch zu den aufgepoppten Spaßproduktionen der neueren Zeit. Die Szene konzentriert sich auf das Wesentliche und sucht die völlige Verschmelzung mit der Musik. Man muss oft an Neubayreuth denken. Die Bühne (Michael Simon) ist karg und arbeitet mit Bildsymbolen, entscheidende Bedeutung kommt dabei der Lichtregie (Jean Kalman) zu, die über eine weite Palette nachtdunkler Stimmungen verfügt. Die Sänger sind zu ­einer knappen, stilisierten, verlangsamten Gestensprache angehalten, die nie ins Ma­nie­rierte umkippt, da sie nicht äußerlich ist, sondern aus hoher Konzentration geschaffener Ausdruck seelischer Befindlichkeit. Den Sängern ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: DVDs, Seite 58
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Flachrelief und Improvisation

Beim Inszenieren von Opern wird oft zu wenig auf den so genannten Faltenwurf eines Werkes geachtet. Es müsste von Fall zu Fall geprüft werden, ob die alte Handlung noch schlüssig vorgetragen werden kann, wenn sie zeitlich verlegt wird. Oder ob die Geschichte weitgehend unverständlich bleibt, wenn man sie heutig kostümiert, um damit Aktualität zu demonstrieren. Zu...

Banalität des Bösen

Die gepuderte Perücke taucht aus dem aufgeschäumten Kaffeeobers auf. Oder versinkt sie darin? «Latte Amadeus – mit einem Hauch von Mozart» ist die gastronomische Variante des Feldkirch Festivals 2006, wenn man so will eine ganz konsequente. Denn auch in der «kleinen his­torischen Stadt» (Fremdenverkehrsprospekt) auf der vorarlbergischen Alpenrheinseite hat der...

Frostige Perspektiven

Seit zweihundertfünf Jahren spielt Emanuel Schikaneder die Panflöte, oben auf dem Papageno-Tor seines Theaters an der Wien, dessen Recycling zum (Stagione-) Operntheater von der heimischen Fachpresse mit Jubel begrüßt wurde. Dass aber das Haus in den letzten Jahrzehnten vor allem als Kommerzbühne diente und mit Musicals wie «Anatevka», «Der Mann von La Mancha» (mit...