Des Meeres und der Liebe Wellen
Die Situation, mit der uns Alessandro Scarlattis 1718 in Rom uraufgeführtes Melodramma «Telemaco» konfrontiert, ähnelt einer anderen Oper, die auf denselben Stoffquellen – Homers «Odyssee» und Fénelons aufklärerischem Erziehungsroman «Les Aventures de Télémaque» – beruht: Mozarts «Idomeneo». Wie der aus dem trojanischen Krieg heimkehrende Kreterfürst wird auch Odysseus’ Sohn Telemach auf seinen Irrfahrten vom zürnenden Meergott Neptun verfolgt.
Den Schiffbrüchigen verschlägt es ausgerechnet ins Zauberreich der Nymphe Kalypso, deren verführerischen Umgarnungen sich schon sein Vater nur mit knapper Not entwinden konnte. Der Macht der Naturgewalten entronnen erwarten ihn dort im Meer der Liebe die Stürme der menschlichen Leidenschaften.
Telemaco verliebt sich in Erifile, die Sklavin Calipsos, die Herrscherin der Insel wiederum verliebt sich ihrerseits in den Unbekannten. Aus diesem Quidproquo einer noch um Calipsos Bruder Sicoreo und ihren zudringlichen Verehrer Adrasto verkomplizierten weitläufigen Umwegdramaturgie hat Scarlattis Librettist Carlo Sigismondo Capece ein Auf und Ab der Affekte entwickelt, wie es für die barocke Oper typisch ist. Das Ganze geht gut aus: Erifile entpuppt ...
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