Klingende Rede, beredter Klang
Trompeten erschallen mit mutigem Ton und gehen, während daß verwandelt wird, in ein wildes Kriegsgetümmel über, das Orchester fällt ein bei offener Szene und wird von kriegerischen Instrumenten hinter der Szene begleitet.» Keine Frage: Friedrich Schiller wusste ziemlich genau, was er hören wollte zwischen der fünften und sechsten Szene des zweiten Akts seiner «Jungfrau von Orleans». Schließlich konnte er fest damit rechnen, dass bei allen Aufführungen ein groß besetztes Symphonieorchester im Graben sitzen und ebenso eine Bühnenmusik zur Verfügung stehen würde.
In heutigen Aufführungen bleibt dagegen nicht nur der Orchestergraben in der Regel leer. Wir haben uns auch angewöhnt, solche Regieanweisungen mit einer Selbstverständlichkeit zu überlesen, die man vor dem Hintergrund der Theatergeschichte nur erstaunlich nennen kann. Das trifft auf Regisseure und Dramaturgen ebenso zu wie auf viele Literatur-, Theater- und Musikwissenschaftler. Bis heute widmen sich vergleichsweise wenige wissenschaftliche Publikationen den musikalischen Phänomenen, die für die Autoren der Theaterstücke eine ebenso selbstverständliche wie wichtige Rolle spielten. Dabei spiegelt sich ihre Bedeutung schon im ...
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Opernwelt Jahrbuch 2018
Rubrik: Sprechen und Singen, Seite 68
von Michael Stallknecht
Im altgriechischen Theater war die Verschmelzung von gesprochenem Wort und (improvisierter) Musik selbstverständlich. Drama und Melos, Text und Klang, Sprechen und Singen agierten gleichsam auf Augenhöhe. Erst unter dem Einfluss der durchkomponierten Oper begannen sich die Gewichte zu verschieben: «Prima la musica, poi le parole» – der Titel des Einakters von...
Ein bisschen erinnert das Ganze an die Geschichte von Phönix, der aus der Asche stieg: Immer wieder hat sich die Oper Frankfurt nach Krisen zu blühender Höhe aufgeschwungen, unterstützt von einem wohlsituierten, neugierigen Stadtbürgertum, das ästhetische Bildung nach wie vor für ein wesentliches Gut hält und dem Ungewohnten, Unerhörten gegenüber aufgeschlossen...
Den Titel ihres kürzlich erschienenen Memoirenbandes darf man durchaus als Lebensmotto verstehen: «Leicht muss man sein». Der Versuchung, sich das (ihr von Karl Böhm, Bernstein, Karajan und anderen angetragene) hochdramatische Fach zu erobern, hat sie widerstanden. Als Elvira, Dorabella, Carmen, Adalgisa, Octavian oder Marschallin aber – um nur einige ihrer...
