Licht und Schatten
Katharina Wagners «Meistersinger»-Inszenierung ist zweifellos das, was man einen Wurf nennt: frisch, frei, ironisch, ehrlich, der Komplexität des Stückes in jedem Moment gewachsen. Sie entdeckt viel Düsteres und Böses, wo üblicherweise die Jubelparade dominiert. Sie ist offen in den Ideen, aber geschlossen in der theatralen Umsetzung. Sie spielt mit Erwartungshaltungen, verrät aber nie die Musik. Im Gegenteil: Wer sie gesehen hat, wird danach vieles anders hören. Es hat deshalb über allen Marketing-Effekt hinaus auch eine künstlerische Berechtigung, wenn sie nun auf DVD herauskommt.
Mitgeschnitten wurde 2007 und zwar sowohl bei Proben wie bei der Premiere (wodurch winzige Synchronisierungspatzer zu erklären sein dürften). Im Einsatz waren viele, im ganzen Haus verteilte Kameras. So kommt es zu manch ungewohnter Perspektive. Die Bildregie von Andreas Morell schwankt und schwenkt mutig zwischen Totale, Halbtotale und Nahaufnahme. Dass sie trotz aller Beweglichkeit kaum einfangen kann, was da in Bayreuth alles zu erleben war, spricht für die Qualität der Aufführung, genauer: für deren raumgreifende Simultaneität. Manches, wie die Wand der Meister im ersten Teil des dritten Aktes oder ...
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Eigentlich ist der Jazz sein Metier. Eigentlich. Denn auch wenn Gianluigi Trovesis wichtigste Aktionsfelder die Big Band (Italian Instabile Orchestra), das (eigene) Oktett/Nonett oder das Duo mit dem Akkordeonisten Gianni Coscia sind, und auch wenn aus jedem Ton, den der inzwischen 64-Jährige auf Klarinetten und Saxofon hervorbringt, der Schalk eines munter...
Mucksmäuschenstille. Noch ist nichts zu hören. Orchesterschweigen. Umso mehr ist zu sehen. Rechts, im Spelunkenlicht, steht Donner, eng umschlungen, kussintensiv. Wer die Dame wohl sein mag? Erst später wird sich herausstellen: Die Dame ist ein Herr und heißt Froh. Unterdessen wartet am linken Bühnenrand jemand mit Plastiktüte. Ein Beobachter. Ein stummer Geist....
Hans Pfitzner ist durch Ingo Metzmachers Aufführung der Eichendorff-Kantate «Von deutscher Seele» (1921) mit ihrem völkisch dröhnenden Schluss «Fass das Steuer, lass das Zagen» am Nationalfeiertag wieder als unverbesserlicher Antisemit, Nazi-Sympathisant und Reaktionär ins Gerede gekommen. Die harfenumrauschte Elfen-Oper «Die Rose vom Liebesgarten» (1901) nötigt...
