Die Steppe lebt
Der Cowboy, der uns in der Steppe rund hundert Kilometer vor der Hauptstadt entgegenkommt, spricht russisch. Er könnte aus einem Bilderbuch stammen oder aus einem anderen Jahrhundert. Das naturgegerbte Gesicht, schwarze Lederjacke, die mit dem Pferderücken verwachsene schlanke Gestalt. So stellt man sich jemand vor, der mit Lasso, Hund und Reitkünsten in Zentralasien eine größere Rinderherde in Schach hält. Wären da nicht die Adidas-Streifen an seiner Trainingshose. Aus seinem Kopfhörer rockt Prince, und ein Handy hat er auch. Kasachstan: ein Land im Umbruch.
Während draußen die alten Kolchosen buchstäblich zerfallen, die Gänse Wasser aus Pfützen schlürfen und die Schlaglöcher so tief sind, dass die Autos gewissenhaft Slalom fahren, wächst Astana als Megalopolis des 21. Jahrhunderts. An den Ufern des Jesil drängen sich dort Glaspaläste und schicke Wohntürme; Norman Foster, der Star-Architekt, hat ein zeltförmiges Einkaufsparadies gebaut, in dessen oberster Etage man sich auch im Winter in einem «Sky Beach Club» räkeln kann, nebenan soll ein Dinopark die Kids bespaßen. Es gibt Halloween-Partys und eine Straße mit Themen-Restaurants. Die Lobby im Fünf-Sterne-Hotel des ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Mösch
Als wären angegraute Astronauten gekommen, um von ihren alten Abenteuern im All zu erzählen: Rein äußerlich ist das einstige Heldentum längst verwittert, aber es geht ja um kollektive Erinnerungen und lebende Legenden. Ein etwas nostalgischer Blick zurück in versunkene Zeiten. Und ein bisschen tun sie an diesen Oktober-Tagen in Los Angeles tatsächlich so, als ginge...
Unter all den Projekten zum Wagner-Jahr ist es vielleicht das aussagekräftigste: keine musikalische Überschreibung, keine szenische Reibung, sondern eine musikhistorische Verortung. Marc Minkowski dirigiert den «Fliegenden Holländer» doppelt, zum einen jene Frühfassung, die Richard Wagner 1841 im Pariser Vorort Meudon komponierte, zum anderen «Le Vaisseau fantôme»...
Erstaunlich genug, wenn eine große Opernsängerin nach ihrem Abschied von der Bühne eine zweite Karriere als Theaterleiterin mit Erfolg durchhält. Noch erstaunlicher, wenn sie auch als Inszenatorin immer mehr überzeugt. Nicht erst jetzt, nach dem Ende ihrer Intendanz in Innsbruck, zeigt sich Brigitte Fassbaender als erfahrene, aber auch neugierig-innovative...
