Glasperlenspiel
Den 1981 veröffentlichten Roman «Bliss» von Peter Carey für das Musiktheater heranzuziehen, ist eine erstaunliche Wahl. Ein disparates, solipsistisches Prosawerk, das für die Bühne ungeeignet scheint. Man spürt die Problematik, wenn man Amanda Holdens Libretto liest. Struktur und Stil eines Textes tragen nicht unwesentlich zum Gelingen (oder Scheitern) der auf eben diesem Text basierenden Oper. In dem nun in Sydney uraufgeführten Stück ist das Material der Vorlage zu einem lose gefügten Melodrama arrangiert. Wie Glasperlen einer bunten Halskette reiht sich Episode an Episode.
Auf rund 30 Szenen und drei Akte hat die Librettistin die «Handlung» verteilt. Doch was dem Ganzen fehlt, sind glaubhafte Gefühle, ein emotionales Gerüst: Die Figuren bleiben blass, entfalten kaum einmal jene lebendige Interaktion, die gutes Musikdrama braucht.
Es geht um persönliche, familiäre und soziale Zerrüttungen, angetrieben von Habgier und hemmungsloser Libertinage. Während einer Geburtstagsfeier erleidet der Werbeunternehmer Harry Joy einen Herzinfarkt, von dem er sich nie mehr erholt. Er erkennt die Verwerflichkeit seiner Arbeit und verliebt sich (die achtziger Jahre lassen grüßen!) in eine «grüne» ...
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Es gehört Mut dazu, eine Opernproduktion schon nach der ersten Bühnenprobe abzublasen, weil sich abzeichnet, dass das Konzept nicht trägt und überladen ist. So geschehen im letzten Herbst in Duisburg. Intendant Christoph Meyer hatte einen Stopp verordnet, weil David Hermanns Arbeit an Verdis «Rigoletto» zu viele offene Baustellen enthielt. Zu einer solchen Absage...
Iannis Xenakis muss gespürt haben, dass seine «Oresteia» mehr geworden war als eine bloße Schauspielmusik: Als er seine zwanzig Jahre zuvor für Chor und perkussiv dominiertes Instrumentalensemble entstandene Komposition 1987 für die erste szenische Aufführung überarbeitete (und ziemlich drastisch einkürzte), schob er das Werk durch eine groß angelegte Soloszene...
Zu einer deutschen Erstaufführung hatte es diesmal nicht gereicht, da war Frankfurt den Lübeckern zuvorgekommen, aber immerhin zu einer norddeutschen. Und zu dem Beweis, dass sich die 2005 in London uraufgeführte und seither nur an großen Bühnen erprobte Shakespeare-Adaption «The Tempest» von Thomas Adès durchaus auch als Repertoirestück für kleinere Häuser eignet....
