Säulen, Laternen, Kruzifix
Madame liegt im Krankenbett, wenn sie nicht nachts herumstreunt und vom Gatten eingefangen werden muss. Der war am Schreibtisch eingenickt. «Rien» hatte er bei der Suche nach Sinn herausgefunden – wieder mal: nichts. Le docteur Faust ist – wie vor einem halben Jahr bei Jan-Philipp Gloger in Zürich – verheiratet, doch es zieht ihn mit einschlägig diabolischer Hilfestellung zu neuen Erkenntnissen, auch im Urpersönlichen.
Madame ist also ein Pflegefall und hält es mit dem abendfüllenden Herumgeistern (Rollenname: La femme), und sobald erstmals von Marguerites verstorbener kleiner Schwester die Rede ist, hat die Baden-Badener Pfingstfestspiel-Inszenierung von Charles Gounods Oper ihren Zweitgeist (Rollename: L’enfant). Klar, zumindest die verlassene Gemahlin spukt dem liebebedürftigen Faust immerzu im Hinterkopf herum – der G’wissenswurm. Wann, wie, wo und warum die beiden fürderhin aktiv sind oder am Rand des Geschehens kauern, vermag die Regie freilich nicht immer schlüssig zu klären.
Überhaupt, die Regie: Bartlett Sher hat inszeniert, der New Yorker Routinier zwischen Oper, Musical und Broadway-Drama. Er liefert eine bekömmliche Exegese – vernünftig, einleuchtend, lapsusfrei ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Heinz W. Koch
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Als eine Art pièce de résistance gilt Brittens «Billy Budd» innerhalb der opernaffinen Queer-Community. Der «schöne Matrose», der alle Bewunderung an Deck eines Kriegsschiffs auf sich zieht, wird gern als Bild latent homosexueller Arbeits- und Lebenszusammenhänge gedeutet. Und entspricht so möglicherweise sogar den Intentionen des Komponisten (dessen Lebenspartner...
Niederösterreich» heißt es im Text, auch der Name Natascha kommt vor (die mörderische Mutter der Protagonistin wird so genannt). Das könnte ein Indiz für Aktualitätssucht sein. Doch Georg Friedrich Haas und sein Librettist Händl Klaus beteuern, «Bluthaus», 2011 in Schwetzingen uraufgeführt (siehe OW 6/2011), dessen erweiterte Neufassung nun erstmals bei den Wiener...
