Panoptikum
Peter Eötvös entschied sich in seiner Oper «Drei Schwestern» ganz bewusst für Künstlichkeit: Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, die Figuren sprechen von sich in der dritten Person. Tschechows Drama ist auseinandergeschnitten und neu zusammengesetzt; statt der vier Akte gibt es drei große Sequenzen, die jeweils einer Hauptfigur gewidmet sind – Irina, dem Bruder Andrej und Mascha – und die gleichen Erlebnisse aus drei verschiedenen Perspektiven erzählen.
Der dritten unglücklichen Schwester Olga (mit schlankem Mezzo: Irène Friedli) hat der Komponist keine eigene Sequenz gewidmet.
Bei der Uraufführung 1998 in Lyon wurde die Künstlichkeit durch die Besetzung der Frauenrollen mit Countertenören noch verstärkt. In Zürich singen zwar Frauen die Partien der drei Schwestern – aber in ihren bunt geblümten Folklorekostümen, kunstvollen Frisuren und stark geschminkten Gesichtern sehen sie aus wie Puppen. Die drei Schwestern sind nicht nur im Provinznest, sondern auch in ihren schweren, hochgeschlossenen Kleidern (Kostüme: Victoria Behr) gefangen. Die Zeit bleibt stehen, wenn Ivana Rusko Irinas Erinnerungen mit klaren Linien zeichnet und die schwebenden Klänge von Akkordeon und ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Georg Rudiger
Am 12. März 1938 marschierten deutsche Wehrmachts-, SS- und Polizeieinheiten in Österreich ein und sorgten für den sogenannten «Anschluss». So unvorbereitet, wie man nachher im Sinne der «Opferlegende» tat, war man freilich nicht, auch nicht bei den Wiener Philharmonikern: Beinahe ein Drittel war schon vor 1938 der illegalen NSDAP oder parteinahen Organisationen...
Heil sei dem Tag, Heil sei der Stunde». Das klang ihnen so vertraut. Also putzten die Nazis anlässlich ihres Einmarsches in Österreich vor 75 Jahren sich ihre Stiefel an Beethovens «Fidelio» ab, am 28. März 1938 in der Staatsoper. Knappertsbusch dirigierte, Max Lorenz sang den Florestan, Hilde Konetzni die Titelpartie. Hermann Göring war da und stellte sarkastisch...
Ein neuer «Ring» soll geschmiedet werden – von Valery Gergiev und seinen Truppen. Die Arbeit daran soll sich über zwei Jahre hinziehen, was wohl an den internationalen Verpflichtungen der Beteiligten liegt, die nur selten gleichzeitig frei sind. Für die Aufnahme der «Walküre» zum Auftakt des Projekts fanden sie sich zwischen dem 24. und 27. Juni 2011, zwischen dem...
