Tod ohne Verklärung
Es könnte ein Rekordjahr werden. Das Endergebnis stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe zwar noch aus, aber es würde uns nicht überraschen, wenn das tropische Langzeithoch im Juli und August auch die Besucherzahlen in unerreichte Höhen getrieben hätte. Spielt das Wetter mit, ist die Bregenzer Seebühne quasi ein Selbstläufer.
Und mit «Carmen», der dritten Neuproduktion des Bizet’schen Evergreens in der 72-jährigen Festspielgeschichte, hatte die seit 2015 amtierende Intendantin Elisabeth Sobotka vergangenen Sommer eine der lukrativsten Cashcows des Repertoires zu Wasser gelassen (siehe OW 9-10/2017). Mehr als 200 000 Karten waren für die 29 Aufführungen der Reprise im Angebot. Das mit Kletterstunts, Planschballett und Feuerwerk getunte Pleinair-Spektakel in Es Devlins bis zu 24 Meter hohem Spielkarten-Set erwies sich also auch im zweiten Jahr als Publikumsmagnet.
Dass Kasper Holtens Regie sich weitgehend in übersichtlichen Arrangements erschöpft, dass die Lichtführung Bruno Poets und die Live-Cam-Projektionen Luke Halls vor allem darauf zielen, die jeweils gerade singenden Solisten optisch hervorzuheben, ist angesichts ihrer Verzwergung in den ortsüblichen XXL-Kulissen beinahe ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 29
von Albrecht Thiemann
Der Mann mit der hohen Stirn, der wie bestellt und nicht abgeholt vor einem leeren Geschäftsportal sitzt, an einem Sonntagmorgen in einer menschenleeren Straße (vielleicht im New Yorker Greenwich Village) – ja, irgendwie könnte es auch Hanns Eisler sein. Freilich, Edward Hoppers Gemälde «Sunday» entstand bereits 1926, zwölf Jahre vor Eislers Ankunft in New York....
Es ist allemal löblich, wenn Opernfestivals wie jenes in Heidenheim an der Brenz das frühe Schaffen Giuseppe Verdis systematisch durchforsten. In diesem Jahr ergab sich gar die reizvolle Kombination von «Nabucco» (1842) und «I Lombardi alla prima crociata» (1843). Vor dem Hintergrund des Risorgimento, dem Streben nach nationaler Einheit und Unabhängigkeit Italiens,...
Im Dezember 2016 hatte das Nationaltheater Mannheim einen internationalen Regiewettbewerb für eine Inszenierung von Mozarts «Don Giovanni» ausgeschrieben. Als Sieger gingen unter den 50 Einreichungen aus sieben Ländern zwei junge Russinnen, die Regisseurin Ekaterina Vasileva und ihre Bühnen- und Kostümbildnerin Sonya Kobozeva, hervor. Ihr Konzept - «das...
