Komödie mit schwarzem Rand

Mal karikaturistisch überdreht, mal surreal aufgeschminkt: Leos Janáceks «Die Sache Makropulos» in Frankfurt und Ulm

Opernwelt - Logo

Man hält sie für eine Lügnerin, eine Hochstaplerin, ein hysterisches Weib – und sie ist schließlich so unglücklich! Ich wollte, alle hätten sie gern.» Mit diesen Worten hat Leos Janácek für seine Heldin, die alterslose Emilia Marty alias Elina Makropulos geworben. Die 337-jährige Sängerin durchmisst an ihrem letzten Lebenstag die ganze Spannweite eines Frauenlebens von der Unschuld der Kindheit über den Lebensekel der Diva bis zur Erlösung vom Fluch des endlosen Lebens.

Ihre wirkliche Identität enthüllt erst ihr Schlussmonolog, in dem sie den Tod als das Los des Menschen annimmt, obwohl sie erneut in den Besitz der «Sache» Makropulos, der unsterblich machenden chemischen Zauberformel gelangt ist. Hier weicht Janácek von seiner Textvorlage ab. Während Karel Capeks Konversationsstück in eine wortreiche Diskussion über Tod und Unsterblichkeit mündet, webt der Komponist am Schluss in seine Musik einen erlösenden Silberfaden schmerzlicher Spätromantik, der ihre bis dahin unerbittliche Härte bricht.

Richard Jones folgt in seiner genau gearbeiteten Frankfurter Inszenierung nicht Janácek, sondern Capeks Komödie. Auch bei ihm stirbt die todwunde Emilia Marty nicht. Als sie am Ende des mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Verdi spielt sich nicht von selbst

Im nächsten Jahr wird der 200. Geburtstag Giuseppe Verdis gefeiert, da stehen uns wohl eine Menge – und ich fürchte: größtenteils überflüssige – CD- und DVD-Publikationen ins Haus. Dass seine Opern keine Selbstläufer sind, sondern echte Herausforderungen an Sänger, Dirigenten und Regisseure darstellen, belegt das Angebot an historischen und neuen Live-Aufnahmen der...

Die Schwäne sind zurück

Es soll Zeiten gegeben haben, in denen sich Regisseure lieber einen Finger abgetrennt hätten, als im «Lohengrin» auf der Bühne einen Schwan zu zeigen. Konnte dieser doch als Sinnbild für naturalistischen Bühnenballast und unzählige Anekdoten herhalten. In den beiden aktuellen Produktionen am Rhein herrscht kein Schwanenmangel: In Koblenz lässt Videokünstler Georg...

Was kommt...

Als Bühnenzauberer ist Stefan Herheim bekannt. Nun inszeniert er endlich ein Stück, bei dem Bühnen­zauber zur Sache selbst gehört: «Xerxes» an der Komi­schen Oper Berlin. Das ist nicht das einzige Händel-Ereignis dieser Tage. Cecilia Bartoli im «Giulio Cesare» bei den Salz­burger Pfingstfest­spielen, die Händel-Festspiele in Göttingen und Halle, dazu eine Premiere...