Blindflug
Die Karriere der belgischen Sopranistin Anne Cambier beschränkt sich keineswegs auf die Benelux-Länder. Als Solistin bei Les Arts Florissants, als Gast bei Musica Antiqua Köln, La Petite Bande oder der Academy of Ancient Music gehört sie zum inneren Kreis jener Spezialistinnen, die mit nicht zu großer, schlackenloser, glockig heller Stimme zuverlässig ein bestimmtes Segment der Alten Musik bedienen.
Die 13 für ihr aktuelles CD-Recital ausgewählten Mozart-Lieder, darunter auch weniger einschlägige wie «Die betrogene Welt», «Die Zufriedenheit» und «Komm, liebe Zither», singt sie mit frischer, gerader, beneidenswert klangvoller und ausgeglichener Stimme. Bei «Un moto di gioia» ist der Ton freudig und unbeschwert, in «Oiseaux, si tous les ans» zwitschert sie um die Wette mit sich selbst. Die «Abendempfindung» wird durch keinen Anflug von Todesahnung getrübt. Mit anderen Worten: Hier liegt eine unbekümmert schöne, dank Jan Vermeulen am Fortepiano historisch aufgeklärt wirkende Deutung ohne jedes tiefere Verständnis vor. Nicht nur bei Goethes «Veilchen» hat man Mühe, den Worten zu folgen, gar den Sinn des Textes nachzuvollziehen.
Verlegt sich eine Sängerin derart auf ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Kai Luehrs-Kaiser
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