Brünnhilde in Buenos Aires

In Argentinien gab es Wagners Opern lange nur auf Italienisch. Anfang des 20. Jahrhunderts begannen die Wagnerianer von Buenos Aires mit der Lobbyarbeit für die Originalsprache, aber die durch den Ersten Weltkrieg entfachte antideutsche Stimmung machte ihnen einen Strich durch die Rechnung: Italienische Verlage boykottierten Wagner. Und doch war es ein italienischer Impresario, dem die ersten Aufführungen auf Deutsch zu verdanken sind. Zur Zeit des Dritten Reichs profitierte Buenos Aires von prominenten Flüchtlingen wie Fritz Busch. In den Jahren des Peronismus und der Militärdiktatur hatten Wagners Opern ihren Platz – und waren oft erstklassig besetzt.

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«Im Allgemeinen ... hat der Argentinier mehr Sinn für die Tragödie als für die Idylle; daher rührt seine Vorliebe für das Wagner’sche Pathos. Das tief und universal Menschliche, an das Wagner sich wendet, antwortet ihm nirgends auf dem Erdball inbrünstiger als in Argentinien.» Zu diesen Überlegungen veranlasste Grete Busch die kultische Wagner-Verehrung, die sich in der begeisterten ­Reaktion der porteños (der Einwohner von Buenos Aires) bei den 1935 von ­ihrem Mann Fritz dirigierten «Ring»-Aufführungen zeigte.

Die Tatsache, dass dieser «Ring» im Rahmen eines Bach-Wagner-Festivals gezeigt wurde, bei dem es auch die «Matthäus-Passion» zu hören gab, mag als zusätzlicher Beleg für die spirituelle Dimension seiner Anziehungskraft dienen.

Seinen Weg an den Rio de la Plata hatte sich Wagner aber schon fünfzig Jahre vor Buschs Ankunft in Buenos Aires gebahnt – mit einer «Lohengrin»-Produktion im alten Teatro Colón. Die Zeitung «La Prensa» warnte ihre ­Leser in einer Vorankündigung, dass ihnen etwas Unerhörtes bevorstehe, eine völlig neue Verbindung von Text und Musik: «Wenn Dante komponiert hätte, hätte er es wie Wagner gemacht.» Dann mokiert sich der Autor, ein gewisser Mefistofele, über ...

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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Reportage, Seite 50
von Agustín Blanco-Bazán

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