Barockbühne für die Avantgarde

Die vierten Kunstfestspiele Herrenhausen eröffnen mit einer begehbaren Klanginstallation von José María Sánchez-Verdú

Opernwelt - Logo

In Herrenhausen befindet sich der älteste in originaler Gestalt erhaltene Barockgarten Deutschlands. Am Kopf der geometrischen Anlage wurde soeben das alte Schloss der Welfen wieder aufgebaut, allerdings nur äußerlich, denn innen befinden sich ein modernes Konferenzzentrum und ein Museum, das Herrenhausens glanzvollste Zeiten reflektiert. Das üppig barocke Galeriegebäude und die alte Orangerie eignen sich als Bühnen ebenso gut wie der Garten selbst mit seinem historischen Heckentheater.

Man würde spontan vermuten, dass die Kunstfestspiele Herrenhausen getreu diesem Ambiente Alte Musik und barocke Opern präsentieren. Seit jedoch Elisabeth Schweeger vor vier Jahren die Intendanz des in dieser Form neu gegründeten Festivals übernommen hat, bieten die Kunstfestspiele so ziemlich das Gegenteil vom Erwartbaren: nämlich Experimente und interdisziplinäre Projekte zwischen Musiktheater, Performance, Konzert, Installation und bildender Kunst.

Im Grunde ist Herrenhausen ein Avantgarde-Festival, das beharrlich auf Spitzenkultur setzt und auch den Geruch des Elitären, Abseitigen nicht scheut. Genau das ist politisch (einstweilen noch) gewollt, obwohl bereits diskutiert wird über hohe Zuschüsse ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Filmreif

Zürichs immer noch neuer Intendant Andreas Homoki hat rasch Fuß gefasst. Allmählich beginnt er auch seine Berliner Risikobereitschaft zu zeigen. Für den «Don Giovanni» holte er Sebastian Baumgarten. Mit diesem Mut fing er sich allerdings ­einen gewaltigen Buh-Chor ein. Und das, obwohl der Regisseur sich nicht allzu weit vom Werk entfernte. Barbara Ehnes baute ihm...

Faule Eier

Sind wir nicht alle ein bisschen Wagner? Nikolaus Barton erscheint, in strahlendes Weiß ­gekleidet, auf der Bühne der Flämischen Oper, und alle Begleiter wissen, um wen es sich bei ihm handelt. Warum sich vorstellen? Wagner, na klar. Sich mit elegant gewandeten Komponisten identifizierend, fallen alle einander in die Arme. Um erschrocken zu erstarren, kaum dass der...

Es geht auch anders

Die trauen sich was. Das Anhaltische Theater Dessau, das Jules Massenets ausstattungsintensiven Beitrag zur Pariser Weltausstellung 1889 «Esclarmonde» mit vier Chören ehrenvoll zur deutschen Erstaufführung bringt, verdient Besseres als die nächste Etatkürzung 2014. Der jüngste Sparbeschluss der Landesregierung Sachsen-Anhalt trieb Intendant André Bücker zornig vor...