Vom Winde verweht
Das ist der Stoff, aus dem man Opernlibretti (oder Hollywood-Streifen) schneidert: Liebe und Leidenschaft bis in den Tod, Hochmut und Fall, Stolz und Vorurteil. Alles enthalten in Emily Brontës Roman «Wuthering Heights», der beim Erscheinen 1847 durchaus auf Widerspruch stieß, aber längst zum Kanon der englischen Literatur zählt.
Ein gutes Jahrhundert später machte sich der amerikanische Komponist Bernard Herrmann ans Werk.
Der angehende Star der Filmmusik, der mit «Citizen Kane» ins Rampenlicht getreten war und später nicht nur für Hitchcock-Klassiker wie «Vertigo» oder «Psycho» die Musik schrieb. Herrmann lieferte auch den Soundtrack für die Verfilmung von Charlotte Brontës fiktiver Autobiografie «Jane Eyre» und stieß so auf die schreibenden Brontë-Schwestern. Als er wenig später seine Opern-Version von «Wuthering Heights» begann, übernahm er für die Hauptfigur aus seiner «Jane Eyre»-Partitur das Motiv einer Arie.
Die Opernnacherzählung der Handlung (die Herrmanns erste Ehefrau Lucille Fletcher lieferte) konzentriert sich ganz auf die heikle Liebesbeziehung zwischen der wilden Catherine und dem hitzköpfigen Heathcliff. Beide sind Ziehgeschwister, aber keine Blutsverwandte, einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Rainer Wagner
Zufall oder nicht: Die allermeisten der von mir erlebten «Boris»-Neuinszenierungen der letzten Jahrzehnte stützten sich auf den sogenannten Ur-Boris von 1869 – ohne Polen-Akt und Kromy-Bild, nach des Komponisten späterer Absicht das Finale eines «Volksdramas» mit einem kollektiven Subjekt als Hauptprotagonisten. Mit dieser Version spekulieren die Theater auf ein...
Ist plötzlich die Last von ihm abgefallen? Der innere Druck intensiver Probenwochen? Die Krisen des zweijährigen Ringens um ein Stück, ein Genre, das wie ein Buch mit sieben Siegeln erschien? Sind sie plötzlich verflogen, die Zweifel, Skrupel, bohrenden Fragen, die so lange im Kopf herumspukten? Wieder und wieder hatte er sie mit «der Bettina» (Bartz) und «dem Luc»...
Ach, es könnte so schön sein. Vom Dach des neuen Opernhauses sieht man Florenz wie auf einer Postkarte daliegen. Der Turm des Palazzo Vecchio, Giottos Campanile und die Kuppel des Domes, im Hintergrund die weiße Fassade von Santa Croce, wo Rossini begraben liegt. Das alles nicht so weit weg wie das Zentrum von Paris, wenn man es von der neuen Philharmonie aus...
