Checkliste des Grauens

Puccini: Turandot Nürnberg / Staatstheater

Opernwelt - Logo

Nur mal kurz in die Debatte geworfen, schon lösen gewisse Namen etwas aus. Blut, Schweiß, Sperma, Gewalt – das sind die Stichwörter des Pawlow’schen Denkreflexes, wenn der Name Calixto Bieito fällt. Ein solcher Name nützt auch in einem praktischen Sinn: Er gewährt (dauerhaften) Zutritt zum internationalen Regiezirkus. Jetzt mischt Bieito auch am Staatstheater Nürnberg mit. Das Haus hat eine längere Zusammenarbeit mit dem Katalanen vereinbart. Alles Koproduktionen, im aktuellen Fall mit Toulouse und Belfast.

Doch war den Franken mit Puccinis «Turandot», immerhin, das Recht der ersten Nacht vergönnt – entsprechend hoch die Aufmerksamkeit.

Dabei hat Bieito die Attitüde des Schockierers mittlerweile hinter sich gelassen. Offenbar auch die des Regisseurs, der linear erzählt und Charaktere von innen heraus entwickelt. Er spielt lieber mit seinen Figuren Schach. Eine Spielpuppen­fabrik in China, ein Brutalosystem, in dem Arbeiterinnen und Arbeiter in Blaumännern vor einer riesigen Kartonwand geknechtet werden (Bühne: Rebecca Ringst) – das ist der Schauplatz seines «Turandot-Fragments». Gespielt wird in pausen­losen 110 Minuten, ohne ein nachkomponiertes Finale. «Poesia», mit diesem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Was kommt...

Manon in Muscat
Wer hätte das gedacht: Eine zehn Jahre alte «Manon Lescaut» der Deutschen Oper Berlin reist für zwei Abende in den Oman. Mehr als 200 Mitarbeiter werden sich vor Ort um die Wiederbelebung kümmern. Ein klassikbegeisterter Sultan und eine deutsche Intendantin machen’s möglich.

Giacomo Meyerbeer
Steht das Werk des lange Verschmähten vor einer...

Welt und Gegenwelt

Es ist ja nicht so, dass man Schuberts heroisch-romantische Oper «Fierrabras» nicht ernst nehmen könnte. Ruth Berghaus und Claudio Abbado haben sie in Wien 1988 ernst genommen, Enge und Sehnsüchte der Metternich-Zeit herausgehört, Schwerter und Kreuze als Einheit gedeutet und das Stück wieder ins Bewusstsein geholt. Nach längerer Pause gelang Claus Guth und Franz...

Exilanten des Betriebs

Im November 1989 feierte Christfried Schmidt. Nein, nicht weil die Mauer fiel. Obwohl er nichts dagegen hatte; er begrüßte die sogenannte Wende durchaus. Kaum ein Komponist nämlich dürfte den schikanösen Doppelsinn des Vermerks «Wohnhaft in der DDR» schmerzhafter erfahren haben als er. Jahrelang wurde seine Musik daheim nicht gespielt; seine Aufnahme in den...