Dröhnender Wahnsinn

Detlev Glanerts «Caligula» unter Markus Stenz liegt auf CD vor

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Das Ich als Totalität. Wahrheit als Ausgeburt der eigenen Wahrnehmung. Plötzlichkeit als Wende ins Absurde. Am Ende führt Verblendung in die Katastrophe. Totale Freiheit bringt nichts als Zerstörung. Schließlich die Selbstauslöschung.

So deutet Detlev Glanert den Caligula-Stoff, wie ihn Albert Camus 1945 auf die Theater-Bühne gebracht hat. Wie so oft bei Camus, geht es auch hier um Macht und Gewalt, um fragwürdige Loyalität, um falsche Ergebenheit, Opportunismus, um das Chaos einer Seele, die sich aus ihrer ideologischen Befangenheit nicht mehr zu lösen vermag.

Hans-Ulrich Treichel schrieb nach Camus’ Vorlage ein Libretto. Die Uraufführung erfolgte am 7. Oktober 2006 in der Oper Frankfurt (vgl. OW 12/2006). Der Mitschnitt dieses Abends liegt nun als Doppel-CD vor.

Der Tod seiner inzestuös geliebten Schwester Drusilla löst bei Caligula einen Erkenntnisprozess aus, der Momente schleichenden Wahnsinns mit der kalten Logik eines Diktators verbindet. Ein zeitloses, zu Camus’ Zeit ebenso wie heute aktuelles und stets aktualisierbares Thema, das in Glanerts Oper gerahmt wird durch einen Eröffnungs- und einen Finalschrei als Ausdruck des Unsagbaren. Nicht nur wegen dieses Schreis, auch in ...

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Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Medien/CD, Seite 28
von Christoph Vratz

Vergriffen
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