Außer Atem
Fast senkt Will Humburg selbst ein wenig die Stimme, wenn er daran erinnert, dass der Titel «La forza del destino» in Verdis Heimat meist hinter vorgehaltener Hand erwähnt wird. Man ist abergläubisch jenseits der Alpen. Und angesichts des pessimistischen, fatalistischen Strudels, in den die Hauptfiguren von Anfang an geraten, ahnt man, warum «l’opera innominabile», die unaussprechliche Oper, in Italien relativ selten auf den Spielplänen erscheint.
An deutschen Theatern ist man weniger zimperlich und stellt sich dem düsteren Treibstoff namens Schicksal so willig wie der Überraschungsdramaturgie des Librettisten Francesco Maria Piave, die der klassischen Ausgewogenheit der Schauplätze und Ökonomie der Auftritte Hohn spricht. Jüngste Beispiele: die Spielzeitpremieren in Köln und Osnabrück. Will Humburg, der seinen Chefdirigentenposten in Catania in diesem Frühjahr entnervt niederlegte und den kunstfeindlichen Zuständen in Italien den Rücken kehrte, weist gern auf die komplizierten Szenenwechsel zwischen Palazzo, Schlachtfeld und Kloster hin, die auch die Protagonisten regelrecht fortspülen: Nur zweimal begegnet sich das hohe Paar Leonora und Alvaro, und eigentlich ist es schon beim ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Michael Struck-Schloen
Das Jahrbuch von «Opernwelt» hat auch 2012 wieder vielfältige Reaktionen ausgelöst. Besonders hoch her ging es diesmal in Köln. Die dortige Oper wurde bekanntlich zum «Opernhaus des Jahres» wie auch zum «Ärgernis des Jahres» gewählt: Anerkennung für drei Jahre künstlerischer Aufbauarbeit wie Abrechnung mit der Kulturpolitik. Sofort nach Bekanntwerden dieser...
Sie muss lange in der Maske gewesen sein, um so auszusehen: wie ein glatzköpfiger Kirchenmann, das Kreuz als Banner tragend, mit durchdringendem Blick, als wolle sie einen Ungläubigen mit dem Kruzifix exorzieren oder mindestens missionieren. Vermutlich war sie sich von Anfang an darüber im Klaren, dass die Angelegenheit maximalen Einsatz und ungewöhnliche Mittel...
Manchmal enden Irrfahrten glücklich, wie jetzt für Giuseppe Antonio Brescianellos Oper «La Tisbe», die nach 294 Jahren ihre posthume Uraufführung erlebte. Brescianello gehört zu den zahllosen Italienern, die im 18. Jahrhundert an deutschen Fürstenhöfen engagiert waren. Der wohl aus Bologna stammende Geiger trat 1716 in den Dienst des württembergischen Herzogs...
