Böse, böse
«Le vieil hiver a fait place au printemps;/ La nature s’est rajeunie»! Die Strecke von Lewes nach Glyndebourne – ein lockerer Vier-Meilen-Marsch – ist ohne Weiteres zu Fuß zu schaffen. Auf den Kreidekämmen der South Downs hat der Frühling nicht minder mächtig zugeschlagen als auf den ungarischen Feldern in Berlioz’ «Damnation de Faust». Sogar einen Hirten gibt es. Allerdings sieht der nicht festlich aus, sondern verschwitzt: Er ist dabei, seinen Schafen eine Wurmkur zu verpassen.
Der Pfad zum Opernhaus führt geradewegs durch empörtes Blöken, stiebende Wolle und jede Menge Köttel. Das Gatter bewacht ein sturer Hütehund: Prosaik versus Pastorale. Passt doch: Bei Berlioz bleibt das D-Dur-Idyll der ersten Szene auch nur bis Takt 6 ungetrübt.
Hinter dem Theater sonnen sich die brandneuen Werkstätten, dunkle Giebel huldigen den alten Scheunen der Region. Das geschwärzte Holz hat Bühnenbildnerin Hyemi Shin gleich in die «Damnation» einfließen lassen. Hoch überragen finstere Galerien die Spielfläche, im Schummerlicht leuchten Geweihe: Im Hörsaal versammeln sich Böcke zum teuflischen Lehrstück. Ihr Meister lässt auch nicht lang auf sich warten.
Méphistophélès ist, an Auftritten und ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Wiebke Roloff Halsey
Opernwelt-Dialoge
Der Kanon der aufgeführten Werke ist allzu überschaubar. Wie könnte ein Spielplan aussehen, der ein weiteres Spannungsfeld öffnet? In Weimar diskutierten darüber die Regisseurin Lydia Steier, der Komponist Moritz Eggert, der Kulturmanager Helmut Seemann und Hans-Georg Wegner, Operndirektor des DNT
Jan Vandenhouwe
Er ist Musikwissenschaftler,...
Sie war überfällig, diese russische Erstaufführung. Schon wegen des Stoffs, den Peter Eötvös für seine erste große, 1998 in Lyon aus der Taufe gehobene Oper wählte: Tschechows Drama «Drei Schwestern». Und weil die bleierne Atmosphäre, die den Figuren in dem bald 120 Jahre alten Stück die Luft abschnürt, auch heute, unter veränderten Vorzeichen, auf dem Land...
Bald sind es vier Jahrzehnte. So lange wird Carola Fischer dann als Solistin auf der Bühne des Staatstheaters Cottbus gestanden haben. Aber was heißt hier: gestanden? Fast alle für ihren Mezzosopran geeigneten Rollen hat die gebürtige Berlinerin an dem Haus gesungen, von den leichten bis zu den schweren Fächern, von Mozarts quirligem Cherubino bis zu Wagners...
