Volle Kraft voraus
Wir haben es ja schon immer geahnt: Sachsen-Anhalt ist der ideale Ankerplatz für Geisterschiffe. Gleich drei neue «Fliegende Holländer» kommen in dieser Spielzeit dort heraus, zum Saisonstart in Dessau und Halle, im Januar zieht dann Magdeburg mit einer Inszenierung von Vera Nemirova nach.
Während in der Berliner Opernstiftung Premieren-Doubletten oder gar -Tripletten von Kernrepertoire-Werken strengstens ver-boten sind, die Hauptstadt-Intendanten also wie Wagners verfluchter Seemann jeweils warten müssen, bis die Frist um ist, kennen die Theater in Sachsen-Anhalt offensichtlich keinen Absprache-Fluch. Ja, die Bühnen haben sogar selbstbewusst ein Kombiticket mit Preisnachlass erfunden, für reisefreudige Wagner-Fans, die alle Produktionen besuchen wollen – und bei einer «Holländer hoch 3»-Soiree in der hauptstädtischen Landesvertretung die eigene Leistungsfähigkeit gefeiert.
Wie zum Beweis, dass die Deutungsmöglichkeiten von Klassikern unerschöpflich sind, zeigen die Regisseure in Dessau und Halle tatsächlich absolut gegensätzliche Zugriffe auf das Werk: Jakob Peters-Messer bietet am Anhaltischen Theater ernsthaftes, filmrealistisches Musiktheater in Felsenstein-Tradition, Florian ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Frederik Hanssen
«The rest is silence.» Verstummen, Schweigen, Stille – so lässt sich Hamlets finales Wort bei Shakespeare übersetzen. Auch als «das Nichts». Der Barde als Vorreiter Becketts. Doch Hamlet ist nicht Hamm, schon gar nicht in diesem von Anno Schreier und seinem Librettisten Thomas Jonigk auf sechs Personen reduzierten und – Prinzenrolle vorwärts – heutig...
In seinem «Macbeth», so schreibt Verdi im Februar 1865 an den Pariser Verleger und Theaterdirektor Léon Escudier, gebe es im Grunde genommen nur drei wichtige Partien, nämlich die Titelrolle, die Lady und – den Hexenchor. Denn, so notiert er weiter, die «Hexen beherrschen das Drama; alles stammt von ihnen. Sie bilden wirklich eine Persönlichkeit, und zwar eine von...
Er war kein Heldentenor aus dem Bilderbuch. Keine Stimmtrompete, die alles zu überstrahlen suchte. Wenn Johan Botha Otello, Kalaf oder Siegmund sang, verblüffte ein jugendlicher, zarter, mitunter verletzlicher Ton. Auch in Bayreuth, wo der aus Südafrika stammende Wahl-Wiener von 2013 bis 2015 Wagners Wälsung verkörperte. Anja Kampe, «seine» Sieglinde, würdigt...
