Schießen Sie nicht auf den Pianisten

Weber: Der Freischütz
Wien | Staatsoper

Opernwelt - Logo

Ein gutes Tier ist das Klavier. Still, friedlich und bescheiden steht es auf Gary McCanns Theater-im-Theater-Bühne für Christian Räths Neuinszenierung des «Freischütz» an der Wiener Staatsoper, wird zu einer Art stillem Teilhaber des Abends. Gelegentlich stürzt der Virtuos’ darauf los – in Gestalt von Max, der in dieser Produktion nur nebenbei Jäger, im Hauptberuf Tonschöpfer ist. Wobei ihn auch bei seiner Kompositionstätigkeit die Fortune verlassen hat.

Freilich scheint Künstler Max sich dies alles bloß zu erträumen.

Der Traum ist ja nicht nur «eine Schutzwehr gegen die Gewöhnlicheit des Lebens» (Novalis), sondern zugleich für den Regisseur auch eine Bastei gegen allfällige Vorwürfe wegen erzählerischer Unlogik. Im Traum ist alles erlaubt. Beispielsweise, dass statt des Urvaters Bildnis jenes von Carl Maria von Weber zu Boden fällt, der Eremit inmitten eines Kronleuchters herabgleitet und der Schwarze Jäger quasi als Fledermaus aus dem Schnürboden hängt. Oder dass Agathe und Ännchen (Letztere im Hosenanzug und mit silberner Pagenperücke ein Geschwitz-Klon und Octavians Zwilling) eine genderpolitisch trendige Liaison einzugehen scheinen. Und dass auch Max eine solche mit Caspar ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2018
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Immersion gescheitert

Eigentlich sollte die «Kacke», wie eine Presseagentur mit Feinsinn anmerkte, im nächsten Jahr so richtig «am Dampfen» sein. Denn dann wollte der amerikanische Rauschebart und Universalkünstler Paul McCarthy, bekannt durch seine Kapitalismuskritik sowie unter anderem durch seine (kapitalistisch grundierten) Pimmel- und Fäkal-Exzesse, den hippen Schwerpunkt für die...

Spielpläne Ausland August 2018

Argentinien

Buenos Aires
Teatro Colón

Tel. +54-1-382 23 89
www.teatrocolon.org.ar
– Piedade: 25., 26.
– Debussy, Pelléas et Mélisande: 31. (P); 2., 4., 7.9.
ML: Diemecke, I: Tambascio, B: Boni, K: Ruiz, S: Cangemi, Filianoti, Maze, Mayer, Mastrángelo

Australien

Adelaide
State Opera of South Australia

Tel. +61-8-82 26 47 90
www.saopera.sa.gov.au
– Die Meistersinger von...

Gestern im Heute

Bücher. Überall Bücher. Im ersten Akt stehen sie ziemlich ungeordnet in großen Regalen, der Raum mit seinen riesigen Säulen lässt an Herrschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts denken. Tatjanas Domizil, das Landgut ihrer Mutter, wirkt wie eine geheimnisvolle Bibliothek. Der zweite Akt spielt in einem Szeneclub. Auch hier der zeichenhafte Verweis auf das gedruckte...