Faltenwurf des Populären
Tief ist der «Faltenwurf der italienischen Tradition», die Dortmunds neuer Opernchef Heribert Germeshausen zu Beginn eines Kennenlern-Wochenendes beschwor. So tief, dass eine ganze «Aida» drin verschwinden kann. Denn so fade, uninspiriert, so wenig neugierig, so sehr Heutigkeit und Brisanz nur behauptend, dafür Gemeinplätzchen schlechter Tradition reichlich austeilend, wie Jacopo Spirei Verdis Ägypten-Oper hier ablieferte, immerhin Initiale einer neuen Intendanz, so muss man das selbst in der italienischen Provinz nicht unbedingt sehen.
Dabei hatte es fein angefangen, als Gabriel Feltz die ersten ätherischen Geigentöne wirklich einmal wie aus dem Nichts klingen ließ – tönendes Luftgespinst und Versprechen auf eine Musizierhaltung der Besinnung und Sinnlichkeit, die er dann allzubald über den Haufen rumpelte und im großen, zur Eile neigenden Aplomb manches Unstimmige in Kauf nahm.
Nikolaus Weberns Bühne zeigt eine nüchtern-neutrale Machtarchitektur, darin ein merkwürdig verkrampftes Personal, das sich am wohlsten fühlt, wenn es an die Rampe darf, händeringend, Blick ins Irgendwo. So entwickelt der Abend einen unguten Zug zum Wunschkonzert. Hector Sandoval, der Radamès, beschwört ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Holger Noltze
In seinen 1981 erschienenen «Versuchen über die Oper» widmete Hans Mayer, mit Blick auf Mozarts «Così», einige Absätze auch jenem Roman, der weiland zu den meistdiskutierten zählte: Wilhelm Heinses «Ardinghello und die glücklichen Inseln» von 1787 bildete, als deutsches Gegenstück zu Choderlos de Laclos’ fünf Jahre zuvor publizierten «Liaisons dangereures», die...
Das Mittelmeer hieß im Römischen Reich mare nostrum, unser Meer, das Meer der Europäer. Wir sind nicht für jedes Leid der Welt zuständig. Für das Leid in unserem Meer sind wir zuständig. Wenn wir den Tod im Mittelmeer verhindern können, müssen wir ihn verhindern.» Das schrieb Jakob Augstein im Juli dieses Jahres im «Spiegel» in einem moralischen Appell unter dem...
Es ist 60 Jahre her, dass sich ein «zierliches, dunkelhaariges Mädchen mit strahlenden Augen [und] einem wie von Murillo gemalten Gesicht», so berichtet die Chronik des Glyndebourne Festivals, als Cherubino in die Herzen der Besucher sang: die damals 23-jährige spanische Mezzosopranistin Teresa Berganza. Wenig später stand sie neben der (Cherubini-)Medea von Maria...
