Künstlerfieber
Es hätte die Abschiedsvorstellung des künstlerisch erfolgreichen Intendanten Stephan Märki werden sollen. Daraus wurde nichts, Märki ging vorzeitig und im Unfrieden. Und hinterließ mit «Tristan und Isolde» ein Projekt, das die kleine Bühne bis an die Grenzen ihrer Kapazitäten forderte, ihr jetzt aber auch einen außerordentlichen Erfolg bescherte.
Wird Richard Wagners «Handlung in drei Aufzügen» in einem kleinen Theater aufgeführt, stellt sich die Frage nach der vokalen Qualität in zugespitztem Maße. Nicht so in Bern.
Daniel Frank ist ein Tristan mit lyrisch eingefärbter, intelligent eingesetzter und bis zum Ende uneingeschränkt präsenter Stimme. Als Isolde steht ihm mit Catherine Foster eine Wagner-Sängerin par excellence zur Seite; in der Diktion gibt es fraglos noch Potenzial; was die vokale Ausstrahlung und das Volumen betrifft, bleiben jedoch keine Wünsche offen – die Differenzierung der Seelenzustände vor und nach der Einnahme des Tranks gelingt ihr vorzüglich. Besonderes Aufsehen erregt allerdings Claude Eichenberger, der die Brangäne auf den Leib geschrieben scheint. In warmer Opulenz und klarer Zeichnung leuchtet ihr Mezzosopran, was sie darstellerisch, nicht zuletzt mit ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Peter Hagmann
Ohne Umschweife steht die von Jetske Mijnssen realisierte Zürcher Inszenierung von «Hippolyte et Aricie» dazu, dass es sich bei der Oper Jean-Philippe Rameaus um einen Stoff handelt, der inhaltlich wie formal aus weit entlegener Vergangenheit stammt. Für sein Textbuch hat sich der Librettist Simon-Joseph Pellegrin auf eine Tragödie von Jean Racine gestützt, der...
Die Szene ist Legende. Weil sie so mysteriös ist, buchstäblich von Schlummerwolken umkränzt. «Götterdämmerung», zweiter Aufzug, erste Szene. Ein Mann sitzt, schwer bewaffnet, am Flussufer vor der Gibichungenhalle und schläft. Aber er schläft mit offenen Augen. Träumt er, dämmert er vor sich hin? Oder macht er nur ein kleines Brecht’sches Nickerchen, in dessen...
Die Götter sind unter uns. Wie der Actionheld eines Blockbusters wirft Herkules die Gestalten der Unterwelt von ihren langen Stelzenarmen und -beinen, auf denen sie in der Bayerischen Staatsoper in spindeldürrer Schwärze einherschreiten. Erst danach führt Apoll im strahlend weißen Kaftan das Paar wieder zusammen, das er zuvor bis über die Grenze des menschlich...
