Der komponierte Komponist
Viel näher am Gelingen als am Scheitern: Auf diesen Nenner kann man die Kasseler Neuinszenierung von Leos Janáceks «Schicksal» («Osud») bringen. Durch einen eigentlich ganz einfachen Trick schafft es Gabriele Rech, mit dieser ersten Neuinszenierung auf deutschen Brettern seit fünfzehn Jahren einer dramaturgischen Klärung sehr nahe zu kommen. Dass dennoch Fragen bleiben, kann man der Regisseurin nicht vorwerfen.
«Schicksal», von Janácek «Szenen aus einem Roman», «Novelle» oder «novellistische Fragmente», nie aber Oper genannt, ist in seiner Konzentration (achtzig Minuten reine Spielzeit), in seiner langen gespielten Zeit (viele Jahre), in seiner Menge an marginalen Rollen einfach nicht ganz stringent auf die Bühne zu holen.
Die Geschichte vom Komponisten, der eine Oper über einen Komponisten schreibt, der eine Oper schreibt, braucht eine Konstante. Die schafft Rech, indem sie die angelegten Bruchstücke einer Rahmenhandlung als Basis der ganzen Oper erweitert. Konkret: Im Parkett des Kuppeltheaters, das Gabriele Rech schon mit Verdis «Don Carlo» gekonnt hat bespielen lassen, steht ein großer Flügel. Von hier leitet und (er)leidet der unglückselige Komponist Zivny die Proben zu seinem ...
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Dass Heinz Zednik, der Broucek der neuen Produktion von Janáceks Opernsatire an der Wiener Volksoper, als Kandidat im Nachfolgespiel um den vorzeitig aus dem Amte scheidenden Direktor Rudolf Berger kolportiert wurde (inzwischen hat er zu verstehen gegeben, dass er nicht mag), ist nicht ohne Pikanterie. Nicht Zedniks, sondern der von ihm verkörperten Figur wegen,...
Carlo Gozzi macht es heutigen Lesern nicht gerade leicht, ihn zu mögen: Er war nicht nur stockkonservativ, er wusste auch alles besser. Neuerungen waren ihm suspekt: Die italienische Literatur (so schreibt er in seinen Memoiren, denen er den koketten Titel «Unnütze Erinnerungen» gibt) «wurde durch verdrehte, ehrgeizige Fanatiker, die heutzutage um jeden Preis für...
