Pariser (Opern)Leben

Halévys «La Juive», Rameaus «Castor et Pollux» und die European Opera Days

Opernwelt - Logo

Der mächtigste Mann im größten Opern­betrieb der Welt schmunzelt süffisant. Er habe sieben Gewerkschaften, lässt er uns während der Pause in einer Bühnengasse der Opera Bastille wissen. Fast klingt es, als spräche er von sieben Liebhabern. Und als sei alles ganz normal, nämlich so, wie es mit Liebhabern eben ist: Für die meisten bleibt Nehmen seliger als Geben; einige können schnell biestig werden; andere spielen sich immerzu in der Vordergrund; jeder will die Nummer eins sein und am allerbesten behandelt werden. Gerard Mortier wirkt dennoch bewundernswert gelassen.

Ja, das Licht und die Requisite, die würden heute streiken. Deshalb müsse er jetzt selbst sehen, ob alles am richtigen Platz liege. Sagt’s und entschwindet ins Dunkel der Seitenbühne.
Seit Tagen war unklar, ob diese Premiere stattfinden würde. Erst machte sich der Gewerkschaftsprotest am neuen Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden fest. Dann ging es um Gehaltserhöhungen. Mit offensivem Charme gelang es Mortier, viele Wogen zu glätten. Am Abend geht dann der Lappen hoch, aber die Bühne ist düsterer als geplant. Ein einziger Streikbrecher versucht, so viel Licht zu steuern wie möglich, während seine Kollegen Scheinwerfer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zum Mitsingen und ­Mittanzen

Was? Sie kennen Dvoráks «Král a Uhlír» nicht? – Kral-a-was? Nee. Muss man das kennen? Ein bisschen snobistisch ist es schon, wenn Orfeo auf dem Cover wie auf dem Besetzungszettel nur den tschechischen Titel eines Werkes nennt, von dem außerhalb Tschechiens kaum jemand je ge­hört haben dürfte. «Král a Uhlír» ist ganz simpel mit «König und Köhler» zu übersetzen, es...

Wagner: Der fliegende Holländer

Gottfried Pilz verzichtet auf jegliche Örtlichkeit und zeigt Wagners romantische Gespensteroper als  Seelendrama zweier Individuen, die sich aus der Chormasse herauskristallisieren. Auf weißer Bühne, vor weißem Rundhorizont, agieren Menschen in weißer Krankenhauskleidung. Assoziationen an geschlossene Psychiatrie, aber auch an antikes Chordrama stellen sich ein....

Die alte Operette lebt

Die erste Schallplatte eines vollständigen Bühnenwerkes galt 1907 der «Fledermaus», sicher mehr die Verbeugung vor einem einzelnen Meisterwerk als vor der Gattung Operette. Der aufstrebende Hörfunk pflegte das Genre dann aber sehr. Vieles, was alte Kataloge der Reichsrundfunkgesellschaft verzeichnen, dürfte es nicht mehr geben, doch kamen immerhin eine «Fledermaus»...