Party am Gletscher
So mag man sich die Geier-Wally vorstellen. Blond, groß, eine Erscheinung; so singt Katrin Adel im schwarzen Hosenanzug vor dem Vorhang mit dem Zuschauerraum der Pariser Oper die berühmte Arie «Ebben? Ne andrò lontana» an – ohne Orchester. So mag man sich aber auch eine Primadonna vorstellen, die sich ihre Karriere erträumt. Katrin Adel ist hier beides. Sie ist (nach Mary Elizabeth Williams) die Zweitbesetzung in der St. Galler Herrichtung von Alfredo Catalanis «La Wally»: eine Sopranistin, die im Leisen klingt und auch in den dramatischen Ausbrüchen Effekt macht.
Der Klirrfaktor, das leicht Schrille in der Forte-Höhe müsste sich noch überwinden lassen. Indes, eine junge Bäuerin, die unbeugsam um ihre Liebe, ihre Selbstbestimmung und gegen die ihr aufgezwungene Heirat kämpft? Das nur, insoweit es sich mit ihrer Vision von der Operndiva deckt: eine Frau, in der Rollen- und Lebensziel in eins fallen; die sich, langes, schwarzes Abendkleid, Hermelinluxus, ins Hochgebirge begibt, als steuere sie einen Presseball an.
Und so sieht’s denn auch beim Fronleichnamsfest in Sölden aus. Partytischchen im Angesicht des allgegenwärtigen Gletschers, der Bote aus Schnals im weißen Dinner Jacket als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Heinz W. Koch
«Wie kann Babylon klingen?», hatte der Komponist Jörg Widmann sich selbst im Gespräch gefragt, mit einem Schuss Vorfreude und etwas Beklommenheit. Gemeint waren: die irrealen Klangbilder der mythischen Stadt zwischen Euphrat und Tigris zum einen, die realen Klänge der eigenen Oper zum andern. Lauter Rätselklänge? Schwierig und herausfordernd genug deren Entstehung:...
Wie stets bei rosalies Opernarbeiten dominiert der Bühnenraum. Tannhäusers Pilgerfahrt ins Innere der Seele illuminiert eine Lichtinstallation, die die Bühne umschließt und dem Ganzen eine schillernde Mischung aus Neoromantik und kaltem Industriedesign gibt: wabenartig montierte Wände, die magisch in allen Farben changieren, vorzugsweise rot, wenn es um die...
«No, non voglio morire! Amore... aita!», schluchzt Manon. Der elegante Herr, den sie um Hilfe anfleht, zeigt sich zwar tief bewegt, aber letztlich unerbittlich: Der Bühnentod muss eingehalten werden. Der Abweisende ist nämlich Puccini selbst (in Gestalt von János Mischuretz), schon vorher stets präsent, Zigarette im Mundwinkel, Gehrock, Melone. Und Manons Sterben...
