Beatmet
Hieße der Komponist nicht Verdi – niemand würde dieses Stück spielen. Weder die 1843 für Mailand als Remake des «Nabucco»-Sensationserfolgs geschriebenen «I Lombardi alla prima crociata» noch die 1847 für Paris umfrisierte Version «Jérusalem». Die für die Neufassung verantwortlichen Librettisten übernahmen das Kreuzzugs-Ambiente, verwandelten aber die Lombarden in Franzosen und verknüpften die Dreiecksgeschichte (dem Paar Hélène und Gaston steht der gleichfalls Hélène begehrende Roger gegenüber) etwas stringenter mit der Massendramaturgie.
Da Verdi einen Großteil der ursprünglichen Musik verwertete – neu komponiert sind neben den Rezitativen und der in Paris üblichen, in Bonn aber gestrichenen Ballettmusik vor allem das originelle Eröffnungs-Duettino Hélène/Gaston sowie das große Finaltableau des dritten Akts – blieb das Ganze ein Zwitter: ein recht oberflächlich zur Grand Opéra aufgeschminktes italienisches melodramma, das mit den ästhetisch wie politisch ungleich radikaleren Opern Meyerbeers, auch mit Halévys jetzt wieder häufiger gespielter «Juive» nicht konkurrieren kann.
Dass die erste deutsche Inszenierung von «Jérusalem» in Bonn – Dresden hatte 2001 nur eine konzertante ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Uwe Schweikert
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