Die Kunst kommt zuletzt
Politiker, egal ob links oder rechts, scheinen bisweilen gleich unfähig, Kulturpolitik zu treiben, wiewohl aus verschiedenen Gründen. Wie wenig Ahnung sie von der Materie haben, über die sie entscheiden, zeigte in Italien etwa der tragikomische Streit über das Pensionsalter von Musikern, Sängern und Tänzern. Um «Privilegien» zu beseitigen, wurde 2004 für diese Gruppen das Pensionsalter «angeglichen», will heißen auf fünfundsechzig, für Frauen auf sechzig Jahre angehoben. Das hätte das Aus für alle italienischen Ballettkompanien bedeutet.
Jetzt gewann zwar nicht die Vernunft, aber die Angst, sich lächerlich zu machen, die Oberhand. Anfang 2005 kehrte man um: nicht zum ursprünglichen Zustand des Pensionsalters von fünfundvierzig/vierzig Jahren, sondern – ein bisschen Sparen muss sein – zum Gesetz Dini von 1995: Tänzer arbeiten mindestens bis zweiundfünfzig, Tänzerinnen bis siebenundvierzig Jahre. Bis sechzig müssen Hornistenlippen, Geigerbandscheiben und Chorstimmbänder halten.
Nicht so offenkundig, aber nachhaltig spuckte die Politik der Oper mit dem Reformgesetz 367 vom Juni 1996 (Mitte-links-Regierung) in die Suppe. Die dreizehn staatlich subventionierten «Enti lirici» wurden ...
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Am 24. Oktober 1998 kam Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell» in einer Inszenierung von David Pountney erstmals nach Wien. Zumindest was die französische Fassung betrifft (vgl. OW 12/98). Der ORF hat diesen Premierenabend mit seinen Mikrofonen begleitet und den Mitschnitt im Schiller-Jahr zur Veröffentlichung bei Orfeo freigegeben.
Da die diskografische Situation...
Ohne Umschweife: In Sachen «Così fan tutte» liegt Dortmund derzeit klar vor Gelsenkirchen. Einmal mehr zeigt sich, dass modisch modernes Ambiente (Verena Hemmerleins Tennisplatz in Gelsenkirchen) keineswegs genügt, solange es inszenatorisch nicht gefüllt wird. Regisseur Andreas Baesler lässt den Chor in Ponnelle-Manier über die Bühne wuseln (in Dortmund wird aus...
Anfangs wollt‘ man fast verzagen. Es war, als entfalte sich das Vorspiel zu «Tristan und Isolde» bei Marko Letonja und dem Sinfonieorchester Basel nicht recht. Zu viel Stückwerk, keine Linie – vor allem aber: kein Sehnen, keine Not, kein Geheimnis und um jenen Tick zu rasch, der verhindert, dass man sich in Richard Wagners Ausdruckswelt einnisten kann. Dafür...
