Flachrelief
Im November 2010 hatte Jakob Peters-Messer die traurige Ehre, die letzte Produktion der Opera Ireland zu betreuen, bevor die Company sich gezwungen sah, den Musiktheaterbetrieb einzustellen. «Tosca» stand damals auf dem Programm. «Liebe und Kunst haben in Zeiten tödlicher Politik keine Chance», fasste ein Kritiker die Botschaft der Inszenierung zusammen, die mit dem Theater Lübeck koproduziert worden war und dort im Mai anlässlich eines Puccini-Zyklus noch einmal zu sehen ist.
Vorhang zu, Oper tot – mit Floria Tosca war das gesamte irische Ensemble von der Brüstung der Engelsburg gesprungen.
In Chemnitz zeigt der Regisseur nur ein Abziehbild der Oper. Nahezu auf zwei Dimensionen reduziert der erste Akt: Für die Sänger bleibt nur ein schmaler Aktionsstreifen an der Rampe frei. Dahinter steht ein Stahlgerüst: ein vergrößertes Gemälde der Art-Déco-Malerin Tamara de Lempicka. Das «Portrait von Marjorie Ferry» zeigt eine Frau mit gelben Tagliatelle-Locken im Rückenakt und bleibt der deutlichste Zeitbezug einer Inszenierung, die sich historisch nicht festlegen lässt. Liebe und Kunst in Zeiten tödlicher Politik – wir hören sie, aber wir sehen sie kaum. Die Ökonomie der musikalischen Mittel ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Martin Morgenstern
Impressum
53. Jahrgang Nr. 4
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752242
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 0
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 12.03. 2012.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
«Andrea Chénier», Umberto Giordanos Revolutionsreißer im Verismo-Stil, enthält dramaturgisch keine Elemente, die ihn für eine Aufführung auf einer Seebühne prädestinieren. Desto bemerkenswerter ist das Gelingen der letztjährigen Bregenzer Produktion von Keith Warner (Regie) und David Fielding (Bühne), die ein Massenspektakel von hohem Schauwert und zugleich einigem...
1590 wurde ein Komponist zum Mörder: Carlo Gesualdo di Venosa war zu Ohren gekommen, dass seine Frau ihn betrüge. Er täuschte einen Jagdausflug vor, erwischte sie mit ihrem Liebhaber in flagranti und tötete beide.
Siebzig Jahre nach dem Doppelmord stilisierte der Librettist Giacinto Andrea Cicognini das Geschehen zu einer 46 Szenen umfassenden «opera tragica». Und...
