Der Vorantreiber
In den Künsten, zumal den darstellenden, gibt es Menschen, die man mehr oder weniger sieht. Primär den Stars ist Öffentlichkeit vergönnt. Doch die im Dunkeln – Autoren, Komponisten, Regisseure, Choreografen, Ausstatter, Dramaturgen –, die sieht man nicht. Dabei sind Interpreten auf Institutionen angewiesen, Kulturapparate, die nicht nur technisch funktionieren, sondern Künste, Produzenten und Rezipienten kreativ zusammenbringen – ja mehr noch: gesamtgesellschaftliche Visionen und Utopien als ästhetische realisieren.
Entsprechend trifft die alte Bezeichnung «Intendant» Gerard Mortier weit besser als die trostlose «Kulturmanager»: einer, der die Richtung weist, nicht einer vorgegebenen folgt. Seit er Ende der Sechzigerjahre vom Musiktheater-Feuer ergriffen wurde, hat er an der Idee festgehalten, dass Oper weder museal, elitär oder kulinarisch zu sein habe, sich vielmehr fortwährend erneuern müsse. Vielleicht kam ihm sogar zustatten, dass er weder aus dem Bildungsbürgertum kam, noch eigene künstlerische Ambitionen hatte. Das hat ihn von Anfang an vor Vorurteilen und Scheuklappen bewahrt. Als Sohn eines Bäckers, 1943 im flämischen Gent geboren, studierte er Jura und ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Gerhard R. Koch
Herr Soltesz, Sie waren 16 Jahre Intendant und Generalmusikdirektor in Essen. Für heutige Verhältnisse eine Ewigkeit?
Die Zeiten sind kurzatmiger geworden. Wolfgang Sawallisch war 22 Jahre an der Bayerischen Staatsoper in München, das entspricht nach heutigem Empfinden der Zeit, die ich in Essen geblieben bin. Als ich den Vertrag unterschrieb, rechnete ich mit einer...
Die Oper ist ein unmögliches Kunstwerk.» Mit diesem verbalen Paukenschlag hat Oscar Bie 1913 sein brillantes, noch immer lesenswertes Buch «Die Oper» eröffnet. Carolyn Abbate und Roger Parker sind derselben Meinung. Die beiden renommierten angloamerikanischen Musikwissenschaftler geben sich allerdings entschieden konservativer als der deutsche Kulturhistoriker,...
Wer Schostakowitsch vor allem als politischen Komponisten kennt, kann kaum glauben, dass er auch eine Operette komponiert hat. Doch «Moskau, Tscherjomuschki» entlarvt, bei allem Humor, die sowjetischen Realitäten nicht weniger als Schostakowitschs Symphonien. Das Stück entstand in der kurzen Tauwetterperiode nach der von Chruschtschow eingeleiteten...
