Editorial
In Krisenzeiten boomt die Sehnsucht nach Zerstreuung. Wenn die Börsenkurse in den Keller rauschen und ganze Staaten wanken, sollen nicht auch noch die schönen Künste den Lauf der Welt vorführen. Als in Frankreich das Zweite Kaiserreich verrottete, strahlte am Theaterhimmel Offenbachs Operetten-Feuerwerk. Während die k.u.k.-Donaumonarchie gerade ihre Zukunft verspielte, drehte sich Wien im Walzertakt der Strauß-Dynastie. Lehár, Kálmán, Benatzky & Co. feierten ihre größten Erfolge, als sich bereits die Kriegskatastrophen des 20. Jahrhunderts zusammenbrauten.
Je schwerer das reale Leben drückt, desto leicht(gewichtig)er ist das, was gut auf der Bühne läuft.
Solche Koinzidenzen kann man auch nach dem jüngsten Finanz-Crash beobachten. Da macht zum Beispiel TV-Entertainer Harald Schmidt (mit Kompagnon Christian Brey) an der Rheinoper in Düsseldorf aus der «Lustigen Witwe» eine flotte Revue: sinnfrei und unterhaltsam. In der «Süddeutschen Zeitung» verkündete er, was er unter bürgernahem (Musik-)Theater versteht: «Die Leute sind doch total bereit, sich emotional wegreißen zu lassen. Dieses ganze intellektuelle Getue ... strengt sie ja wahnsinnig an.» Westend und Broadway statt Regietheater ...
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Über die Jahre sind die Puccini-Erkundungen Nikolaus Lehnhoffs an der Ams-
terdamer Oper zu einem kleinen Zyklus gewachsen: Nach der unlängst noch einmal für Baden-Baden aufpolierten «Tosca» und «Turandot» ist «La fanciulla del West» die dritte Folge dieser erfolgreichen Zusammenarbeit. Gerüchte wollen bereits von einer Fortsetzung mit «Madama Butterfly» wissen. Das...
Italiener mögen Märchenopern nicht sonderlich, es sei denn, sie werden in einer Fremdsprache gesungen. Im Fall von Janáceks «Füchslein» kommen erleichternd die realistisch-naturhaften Elemente der Geschichte hinzu, die auch ohne jedes Wortverständnis nachvollziehbar sind. Man findet sie nicht nur bei den Menschen, sondern auch (und gerade) in der Tierwelt, die bei...
Hans Werner Henze, auch beim Verbalisieren fantasievoll, schuf für Kleists Drama «Der Prinz von Homburg» das Bild einer «seidig stählernen Sprache». Dies lässt uns ans «Glühend’ Eis und schwarzer Schnee» Shakespeares aus dem «Sommernachtstraum» denken und ist zugleich eine passende Charakterisierung für eine Kleist-Oper, die ja insgesamt wie eine Concordia discors...
