In der Manege

Guy Joosten liest in Brüssel Donizettis «Lucrezia Borgia» allegorisch; Benoît Mernier hat «La Dispute» von Marivaux vertont

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Die Geschichte der Lucrezia Borgia – emblematische Figur der Spätrenaissance, Papsttochter und (angeb­liche) Giftmischerin – ist eines der ungewöhnlichsten Opernsujets des 19. Jahrhunderts. Gaetano Donizetti hatte es 1833 einem brandneuen Schauerstück von Victor Hugo entnommen: ein Panorama aristokratischer Verderbtheit als Polemik gegen die Restauration nach dem Untergang Napoleons.

Neben dieser politischen Dimension dürfte Donizetti aber vor allem das schillernd Zwielichtige der Charaktere interessiert haben: Seine «Lucrezia Borgia» jedenfalls wurde ein musikalisch reiches und in mancher Beziehung formal neuartiges Stück. Verdi konnte hier anknüpfen.

Um ihm auf der Bühne zur Wirkung zu verhelfen, bedürfte es allerdings darstellerischer Feinarbeit, die das willentlich Groteske des dramatischen Entwurfs einfängt und transformiert. In Brüssel hingegen wird das Ganze als Grand-Guignol-Spektakel im Königlichen Zirkus angerichtet. Die Manege wird zum spiegelglatten Parkett, umstellt von vier gigantischen Allegorien: Gut und Böse, Lust und Tod. Man trägt moderne Abendgarderobe, ohne dass die Regie (Guy Joosten) die behauptete Zeitgenossenschaft darüber hinaus in irgendeiner Weise ...

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Opernwelt April 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Ingo Dorfmüller

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