Traumspiel

Frankfurt, Korngold: Die tote Stadt

Opernwelt - Logo

«Mehr Filmmusik als Oper» – auf dieses griffige Fazit bringt noch Ulrich Schreiber sein Urteil über diese Erfolgsoper der zwanziger Jahre. Anselm Weber, der Korngolds «Tote Stadt» in Frankfurt inszeniert, nimmt den Vorwurf beim Wort und macht ihn – gemeinsam mit der Bühnenbildnerin Katja Haß – zum Ausgangs-, ja Angelpunkt seiner glänzenden Deutung. Das Trugbild, dem Paul erliegt, indem er in der Tänzerin Marietta seine tote Frau Marie wiederzufinden glaubt, wird zum Filmbild.

Beklemmend die Raumgestaltung der von hohen, bald nüchtern grauen, bald geheimnisvoll leuchtenden Mauern umstellten Szene: links ein quadratischer Kasten mit Schiebewänden, Pauls «Kirche des Gewesenen», in der er den Totenkult um seine verstorbene Frau zelebriert; rechts eine Filmkamera, die das Spiel in Echtzeit verfolgt. Den Alptraum der Wirklichkeit, der Paul verfolgt, sehen wir doppelt: als reales Bühnengeschehen und zugleich mit dem Auge der Kamera (als Video an die Wände und auf die Monitore in Pauls Andachtsstätte geworfen).   
Weber geht damit einen entscheidenden, dramaturgisch unmittelbar einleuchtenden Schritt über Korngold hinaus, der das Mordgeschehen seiner Librettovorlage – Georges Rodenbachs ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Respektabel



Der Coup dieser Fernsehproduktion aus der Met ist der Einsatz von Natalie Dessay als Moderatorin. Sie war zwei Jahre zuvor die Premieren-Lucia und stellt (oder besser: führt?) jetzt ihre Nachfolgerin vor: «The great Russian soprano Anna Netrebko». Sie gratuliert ihr erst zum Baby und lässt einfließen, dass sie deren schon zwei habe, fragt sie nach den...

Schuld und Sühne

Sanft steigt die Violin-Lineatur aus dem Graben, die Robert Schumann aus dem Geiste Mendelssohns entwickelt. Diskret verstärken die Holzbläser die Höhenlinien des nazarenischen E-Dur-Andante, das auf ein Alt-Solo zuführt: «Vor Edens Tor im Morgenprangen stand eine Peri schmerzbefangen.» Diese Peri, Figur eines fernen indischen Himmels, ist aus näher nicht genannten...

Späte Rehabilitierung

Bergs «Wozzeck» wurde in Russland bisher nur ein einziges Mal inszeniert – 1927 in Leningrad. Es handelte sich um die zweite Auslandsproduktion nach der Uraufführung (die erste war damals in Prag zu sehen). Seitdem kursiert in Russland das Märchen von den unüberwindlichen Schwierigkeiten des Werks. Die Initiative zum ersten neuen Versuch nach mehr als acht...