Panorama der Kontraste
Nicht nur wegen der geöffneten Striche, die den Baron Ochs als wahrhaft «aufgeblas’nen, schlechten Kerl» zeigen, war dieser «Rosenkavalier» ein Höhepunkt im Strauss-Jahr 2014: Harry Kupfer und sein Bühnenbildner Hans Schavernoch nutzten die Breitwandbühne des Großen Festspielhauses von Salzburg auf suggestive Weise, verlegten das Geschehen mit opulenten, perspektivisch raffiniert verschobenen Panoramabildern in die Entstehungszeit der «Komödie für Musik», fanden eine süffig schöne Balance zwischen Ruhe und Bewegung, Massenszenen und Intimität, Schwarz-Weiß-Ästhetik und rhyth
mischer Raum-Gliederung. Zwei Altmeister am Werk, die niemandem etwas beweisen müssen. Sie geben Salzburg, was es braucht, ohne dabei das Stück zu verraten. Natürlich blüht Harry Kupfers Handwerk auf, wenn die Bühne mit Menschen bevölkert wird: Das Lever im ersten Akt ist so brillant durchorganisiert wie die Turbulenzen des zweiten und dritten. Den Protagonisten gibt Kupfer in entscheidenden Momenten Zeit, sich auf ihren Gesang und das Orchester zu konzentrieren. Das alles kann man jetzt auf DVD noch genauer verfolgen als im Großen Festspielhaus.
Der grandiose Live-Eindruck, den die Wiener Philharmoniker unter ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Stephan Mösch
Schwammerl» nannten ihn seine Freunde. Im Hochdeutschen bedeutet das «Pilzling»; es zielte wohl auf Franz Schuberts körperliche Disposition: untersetzt, klein, beleibt. Und in Gesellschaft oft scheu und irritiert. Doch das war quasi die Vorderansicht, die Hülle des Komponisten. Um die Rückansicht, die Innen- und Nachtseite, um den Schöpfer von zuletzt...
Ehrgeiz ist ein unzuverlässiger Freund. Ich habe mein Leben lang versucht, die richtige Balance zu finden, immer meinen alten Gesangslehrer im Hinterkopf. Robert Tear mühte sich nicht bloß mit meiner Stimme ab, er war fast so etwas wie ein Zen-Meister für mich. Und er gab mir Folgendes mit auf den Weg: «Es ist gut, ehrgeizig zu sein. Man sollte bloß nicht zu genau...
Metternichs Zensoren waren ihr Geld wert. Als man ihnen 1833 Albert Lortzings Vaudeville «Andreas Hofer» vorlegte, untersagten sie die Aufführung sofort. Dabei lag der Protagonist als Tiroler Volksheld mit seinem Kampf gegen die napoleonischen und bayerischen Besatzer politisch durchaus auf der Linie der Restauration – das Stück klingt nicht zufällig mit einem...
