Weber: Der Freischütz
Er wartet nur darauf, nach «Wir winden Dir den Jungfernkranz» die Totenkrone überbringen zu dürfen: Ein androgyner Samiel hat sich verkleidet bei den Brautjungfern eingeschlichen und begleitet nun genervt das Ständchen für Agathe. Doch dass der personifizierte Teufel das komödiantische Zentrum der Inszenierung ist, behauptet Brigitte Fassbaender eher, als dass sie es sichtbar macht.
Da kann Eleonore Bürcher als Samiel noch so schön rudern, wenn sie den Jägerchor dirigiert, Jagdtrophäen überreichen oder das Gießen der Bleikugeln in die Hand nehmen: Die Idee der Figur bleibt unentschieden wie die ganze Aufführung.
Von Versagensängsten in die Depression getrieben, ist Max immer auf der Bühne anwesend und erhält am Ende gar eine Sitzung bei Dr. Freud – in Gestalt des Eremiten. Das freilich bekommt nur derjenige mit, der das Programmheft gelesen hat. Schade, dass Brigitte Fassbaender hier nicht den Mut hatte, ihren psychoanalytischen Ansatz konsequent durchzuhalten. Stattdessen konfrontierte sie das zeichenhafte Bühnenbild mit Biedermeier-Klischees in den Kostümen, ließ konkret Realistisches mit Symbolischem abwechseln: Da verkriecht sich Agathe zur Beruhigung ins noch nicht einmal ...
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