Kleine Leut’ ganz groß
Jede Köchin muss in der Lage sein, die Staatsmacht auszuüben», lässt sich Lenin im Programmheft zitieren. Bevor das allerdings geschehen kann, gilt es erst einmal Tabula rasa zu machen in den eigenen vier Wänden. Von denen kann in der Oper «Wir gratulieren» von Mieczyslaw Weinberg zwar nicht die Rede sein; zwei Akte lang spielt sie in der Küche eines hochherrschaftlichen Hauses. Aber am Ende erstürmt das «verfluchte Pack», wie Madame das Dienstpersonal abschätzig tituliert, die Beletage, und dann ist es vermutlich aus mit den bestehenden Klassenverhältnissen.
Doch das ist eine andere Geschichte. Weinberg erzählt uns, das Theaterstück «Masel tov» von Scholem Alejchem aufgreifend, von den Voraussetzungen, die zum revolutionären Aufbegehren führen. Die Köchin Bejlja hat anfangs jedenfalls andere Sorgen. Früh verwitwet, ersehnt sie sich einen Mann, während sie ihren ganzen Frust in den Teig hineinknetet. Da kommt ihr Reb Alter gerade recht. Der Hausierer ist zwar auch nur ein armer Schlucker, hat aber «Das Kapital» von Karl Marx im Gepäck, und dessen Erkenntnisse warten nur darauf, mit Hilfe eines blutjungen Domestiken-Pärchens in die Praxis umgesetzt zu werden.
Zum Umsturz unter ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Hartmut Regitz
Impressum
53. Jahrgang Nr. 11
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752248
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 0
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
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www.opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 11.10.2012.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
So einen Schluss gibt’s nicht noch mal im Musiktheater. Ein herzzerreißender instrumentaler Aufschrei auf einem Ton, fortissimo diminuendo; kantig hartes Schlagwerk, Rührtrommeln, ein erbarmungslos herausgestanzter Rhythmus, in Noten gesetzter Stechschritt. Das Ganze wie in Zeitlupe wegbröckelnd ins Nichts. Und in der Stille tut es alles dann erst richtig weh.
Sollt...
Ein Wagnis ist das. Zwei wenig gespielte Stücke zum Saisonauftakt an der Oper Frankfurt, zwei Premieren innerhalb eines Monats. Miteinander zu tun haben Samuel Barbers «Vanessa» und Engelbert Humperdincks «Königskinder» nicht allzu viel. Immerhin wurden beide an der Metropolitan Opera in New York uraufgeführt (1910 bzw. 1958/1965). Auch wäre es kaum übertrieben zu...
