«Verbotene Liebe» auf Indisch
Dass sich hinter Franz Schuberts Opernfragment «Sakontala» allerlei musikalische Preziosen verbergen, weiß man spätestens seit dem Mitschnitt der Uraufführung bei den Musiktagen Bad Urach unter Frieder Bernius. Freilich machen elf Nummern, selbst wenn sie so gelungen rekonstruiert sind wie hier von Karl Aage Rasmussen, noch keine Oper. Vielleicht hat sich deshalb niemand um die szenische Uraufführung bemüht – außer dem innovationsfreudigen Saarbrücker Staatstheater, das wenige Wochen nach Adams’ «Doctor Atomic» eine weitere Risikoproduktion auf die Bühne bringt.
Angesichts der fragmentarischen Struktur hätte man mit einer behutsamen, die indische Mahabharata-Sage von der Halbgöttin Sakontala plausibel vervollständigenden Interpretation gerechnet. Doch der Regie führende Saarbrücker Operndirektor Berthold Schneider macht das Gegenteil: Schuberts Musik wird zum Soundtrack für einen grellbunten Indien-Revue-abend mit selbst gebastelten Zwischentexten. Die Liebe von Sakontala zum König Duschmanta, der sie aufgrund eines Fluches nicht mehr erkennt und deshalb verstößt, wird von einem jugendlichen Trio so erläutert, als sei es für den Wochenrückblick von «Verbotene Liebe» zuständig. «Das ...
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