Hier spricht der Maestro
So unterschiedlich können die Perspektiven sein: Während deutsche Operninteressierte ihre Blicke besonders auf Regisseur Werner Herzog richteten, stand für das römische Publikum Riccardo Muti im Mittelpunkt. Wie recht es damit hatte! Denn dem 71-Jährigen merkt man in jedem Takt dieser Aufführung an, dass ihm «I due Foscari» ein Herzensanliegen sind. Er hat die Oper bereits vor zehn Jahren an der Mailänder Scala dirigiert; in Rom reiht sie sich nun ein in seine Verdi-Aufführungen der letzten Spielzeiten wie «Nabucco», «Macbeth» und «Simon Boccanegra».
Schon sieben Jahre vor «Rigoletto» zeigt Verdi sein Gespür für genau differenzierten musikalischen Ausdruck. Düstere Klangfarben herrschen vor, ein Duo aus Solo-Viola und Solo-Violoncello leitet den zweiten Akt ein, der grimmige Männerchor skandiert einen befremdlichen Marsch im Dreivierteltakt. Jedes dieser musikalischen Details breitet Muti mit größter Sorgfalt aus. Er zwingt hier das Orchester und die Solobläser zu feinsten Pianissimi, spielt dort den Drive des jugendlichen Komponisten aus – ohne je die Zügel schleifen zu lassen, mit denen er Sänger und Orchester zusammenhält.
Ein überzeugendes Plädoyer für dieses Stück, zumal auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Michael Horst
Als er noch nicht der große Meister war, sondern ein kleiner Kapellmeister mit hochfliegenden Plänen, saß Richard Wagner eines Abends – es wird 1838 gewesen sein – in seiner Rigaer Wohnung und war angeregt von zwei Büchern. Das eine bot Erzählungen von Wilhelm Hauff, darunter das «Gespensterschiff». Das andere konfrontierte ihn mit dem Roman über einen...
Am 12. März 1938 marschierten deutsche Wehrmachts-, SS- und Polizeieinheiten in Österreich ein und sorgten für den sogenannten «Anschluss». So unvorbereitet, wie man nachher im Sinne der «Opferlegende» tat, war man freilich nicht, auch nicht bei den Wiener Philharmonikern: Beinahe ein Drittel war schon vor 1938 der illegalen NSDAP oder parteinahen Organisationen...
Was ist so grauenhaft an diesem Zusammenleben? Die Mitbewohnerinnen wieder mal schwer übernächtigt. Die Schwester im Batikkleid als Supervernünftige. Und Mama, gut, die greift gern zu Hochprozentigem, auch zu Amuletten und anderem Krimskrams aus dem Eso-Arsenal. Das Trauma, an dem Elektra leidet – und das sie immer wieder forttreibt aus dem unbarmherzig hellen...
