Der Mythos lebt
Der 11. Mai 1946 ist in den Annalen der Mailänder Scala ein in dreifacher Hinsicht bemerkenswertes historisches Datum: Das im Krieg schwer zerstörte Theater wurde nach dem Wiederaufbau neu eröffnet, Arturo Toscanini, Italiens größter Dirigent und eine Symbolfigur des Antifaschismus, kehrte nach langer Abwesenheit an die Stätte seines früheren Wirkens zurück, und eine später epochale Sängerin, die damals erst 24-jährige Renata Tebaldi, gab ihr Hausdebüt.
Dieses außergewöhnliche Ereignis ist nun, ergänzt um einen Dokumentationsband, der einen Einführungstext in drei Sprachen sowie etliche kaum bekannte Fotos enthält, im Rahmen einer Edition verfügbar, die der Nachkriegsgeschichte des traditionsreichen Opernhauses gewidmet ist.
Das Klangbild ist sehr bescheiden, in keiner Weise mit den amerikanischen Toscanini-Aufnahmen aus derselben Zeit zu vergleichen, aber die hohe emotionale Ladung dieses Abends teilt sich ebenso mit wie die unerbittliche Intensität, mit der sich der Maestro in die Partituren hineinbohrt. Puccinis «Manon Lescaut» (3. Akt) und den Prolog aus «Mefistofele» kann man kaum bezwingender und detailversessener erleben. Der Abend gehört dem Chor und dem Orchester der ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Ekkehard Pluta
Der Komponist wollte das Stück nicht im Repertoire sehen – «Libuše» sollte besonderen Anlässen, nationalen Feierlichkeiten reserviert bleiben. Zwar haben es Regierungen aller Couleurs auch so gehalten, und das in heroischen Sekundintervallen wabernde Thema der Ouvertüre dient seit 1918 sogar als offizielle Fanfare des tschechoslowakischen, inzwischen bloß noch...
Wiederentdeckung eines Meisterwerks – oft ist diese Formulierung nicht viel mehr als PR-Hype. Auf diesen «Arminio» aber, eine Partitur aus dem Jahr 1706, die Rinaldo Alessandrini im Archiv der Habsburger Hofkapelle aufgestöbert hat, trifft sie durchaus zu. Nicht so sehr wegen der Form: Das Stück erfüllt alle Kriterien der feste teatrali, die am Wiener Hof damals...
Das Schlusswort haben die Streicher. Ein Ton, der wie verlöschendes Feuer glimmt, ein letztes Mal Licht spendet, bevor es dunkel wird und still. Ein sehrend schwingender Strahl, er trifft ins Mark. Was kann jetzt noch kommen? Niemand weiß es. Auch Schönberg wusste es nicht. Mit diesem im Offenen verhallenden Ton endet «Moses und Aron», sein unvollendetes...
