Hartes Zigeunerleben
Keinen Zweifel lassen der kanadische Dirigent Yves Abel und Stephen Medcalf, in vielen Inszenierungen ein Meister der psychologisch raffinierten Aussparung, an der Brutalität der Novelle Mérimées, die von Bizet keineswegs in jenen süßlichen Kitsch pseudospanischer Folklore übersetzt wurde, wie eine lange (schlechte) Tradition es gern sieht. Bizet komponiert Szenen (gleich der Anfangschor «Sur la place chacun passe»), die der veristischen Ästhetik des zufälligen Ausschnitts gehorchen.
Bizet mildert nicht, wie seine Librettisten es wollten, das Provokatorische einer amour fou, die Don José desertieren und in Gesetz- und Haltlosigkeit abgleiten lässt. 1875 reagierte die Kritik böse auf die Uraufführung des «obszönen» Werks, auf die «Kakophonie» der Musik. Das ist Geschichte. Gewöhnung und Ohrwürmer haben das Ihre getan. Eine provozierende «Carmen» ist heute fast nicht mehr vorstellbar.
Doch Abel, dem das engagierte und in zwei Jahrzehnten in der Qualität unglaublich gewachsene Opernorchester der sardischen Hauptstadt willig folgt, tut mit harten Kontrasten, kantigen Rhythmen (fabelhaft das Quintett des zweiten Akts), mit Verzicht auf geschöntes Schwelgen das Seine, um diese Patina ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nicht gerade mit überschäumender Emsigkeit, doch im einzelnen Fall mit großem Engagement beschäftigen sich die Opernhäuser mit den Bühnenwerken Franz Schuberts. Seit der denkwürdigen «Fierrabras»-Aufführung 1988 am Theater an der Wien, in Ruth Berghaus‘ Inszenierung, von Claudio Abbado dirigiert, haben mehrere Operntheater sich des Werkes angenommen, etwa Zürich...
Rossini hat ihn, unwillentlich, sein ganzes Leben lang verfolgt und schließlich aus dem Gedächtnis der Nachwelt verdrängt. Heute ist Carlo Coccia (1782-1873) allenfalls noch eine Fußnote der Operngeschichte. Dabei war der aus Neapel stammende Schüler Giovanni Paisiellos eine Zeit lang außerordentlich erfolgreich. Seine 1815 in Venedig uraufgeführte «Clotilde» hielt...
Nach diesen Juli-Tagen in London wird nichts mehr so sein, wie es war. Eine extreme erste Woche, wie diese Stadt sie in Friedenszeiten wohl noch nie erlebte, prall gefüllt von Leidenschaft, Euphorie und Trauer. Zunächst am ersten Wochenende des Monats das von Bob Geldof organisierte Open-Air-Konzert im Hyde Park, dessen Titel-Wortspiel «Live-8» die angestrebte...
