Kopflastig
Über seine Musik verliert Cristóbal Halffter in einem im Programmheft abgedruckten Interview zur Uraufführung seiner nach dem «Don Quijote» zweiten Oper kein Wort. Stattdessen lässt sich der Nestor der spanischen Komponistenszene über theologische und philosophische Hintergründe des Werkes aus, spricht über Platons Höhlengleichnis und über die Apokryphen, über Fragen der Schuld und über das Sterben. Dabei ist es einzig die Musik, die – wenn überhaupt – dem «Lazarus» Bestand sichern wird.
Eine Musik von eminenter Farbigkeit, aus fast tonlosem Nichts sich entwickelnd zu expressiv gesteigerten Entladungen, facettenreich flirrend, dann wieder bruitistisch zuschlagend, im Gesangsbereich mit strukturierendem Zugriff ausbalanciert zwischen Parlando, Kantilene und Schrei. Eine Musik, die während der knapp achtzig Minuten Spieldauer des Werkes in ihrem Nuancenreichtum immer wieder eine geradezu magische Sogwirkung entwickelt.
Das Libretto nach Texten des spanischen Literaten Juan Carlos Marset dagegen bereitet Kopfzerbrechen. Gewiss, der Handlungsverlauf ist zunächst einmal klar und einsichtig: Da beschließt der biblische Lazarus, einst von Christus von den Toten erweckt, angesichts der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Jenis, die Partie des Renato in Verdis «Un ballo in maschera» zählt zu den wichtigen Rollenporträts Ihres Fachs. Da liegt es auf der Hand, Sie mit anderen Baritonen zu vergleichen. Wollen wir?
Nein, wir wollen nicht. Vergleiche nützen nichts.
Das heißt, Sie vergleichen sich selbst nicht mit anderen herausragenden Stimmen, nach dem Motto: Denen komme ich...
Etwas ist anders als sonst. Nicht allein liegen die Rheintöchter dort drunten, auf dem Grund des ruhenden Flusses, sondern als Teil einer Art Jeunesse dorée, die sich müßig dem Tage entgegenräkelt, nicht wissend, welch Ungemach droht. Parallel zur Musik, die das einfühlsam beschreibt, umreißt Richard Lowes Choreografie dieser Szene die Morgenstimmung einer...
Über die szenische Einrichtung geistlicher Werke lässt sich trefflich streiten. Was haben ein Requiem, ein Stabat mater, ein Oratorium auf der Tanz- oder Opernbühne zu suchen? Ging es Bach, Händel, Mozart, Mendelssohn – bei allen Unterschieden im musikalisch-theologischen Selbstverständnis und in den historischen Parametern – nicht primär um die Verkündigung...
