Unerträglicher Spaß
Noch bevor es richtig losgeht, legt Serse in der Garderobe mit Amastre – hier nicht seine Braut, sondern seine Haushälterin – einen Quickie hin. Dann schlüpft er in den Glitzeranzug des Entertainers, betritt die Bühne, setzt sich an den pompös unter einem gewaltigen Rundbogen aus Klaviertasten thronenden Flügel und begleitet sich selbst zu Händels größtem Hit «Ombra mai fu». Die verliebte Huldigung des durchgedrehten Selbstdarstellers an eine Platane mutiert dabei einmal mehr zum schmalzig zelebrierten Unterhaltungskitsch.
Des rot aufleuchtenden «Applaus»-Signals hätte es nicht bedurft, um die Fans zum Jubeln zu bringen.
Mit dem antiken Xerxes hatte schon Händel nichts im Sinn; dem Opernhelden Serse verpasst Regisseur Max Emanuel Cencic in seiner Karlsruher Inszenierung mit noch größerer Entschiedenheit einen Tritt in den Allerwertesten. Für ihn ist der selbstverliebt-launenhafte König ein Popstar, was er ansteuert keine konventionelle Opernaufführung, sondern eine hippe Revue – das erkennbare Vorbild der US-Pianist Liberace, der sichtliche Ort der Geschehens das Spieler-Paradies Las Vegas. Entsprechend typengerecht frisiert er die Figuren um: Serses tuntiger Bruder Arsamene ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Uwe Schweikert
Herr Lazar, Sie sollen sich bereits im Alter von elf Jahren mit der Gestik und Deklamation im Barocktheater beschäftigt haben. Was um Himmels willen bringt ein Kind dazu, sich für so etwas zu interessieren?
Die Begegnung mit einer Französischlehrerin namens Isabelle Grellet, die ebenso begeistert vom Theater war, wie sie ihre Schüler dafür begeistern konnte. Ich...
Nun also auch das Grand Théâtre in Genf: Das größte Opernhaus der Schweiz (1488 Plätze – Zürich bringt es nur auf 1207) erstrahlt in neuem Glanz. Wie viele andere in die Jahre gekommene Theaterpaläste wurde es tiefgreifend renoviert und am 12. Februar 2019 wiedereröffnet.
Manches ist in Genf freilich anders: Die Wiedereröffnung erfolgte (fast) im Fahrplan. Allein...
Gewagtes Bild. Gemalt hat dieses Porträt, das in der Dresdner Gemäldegalerie hängt und den Titel «Die Gambenspielerin» trägt, um 1640 Bernardo Strozzi, ein venezianischer Künstler, für den auch Monteverdi Modell stand. Es zeigt eine junge Frau mit ernst-traurigem Blick, einem Rosenzweig im Haar, die Gambe samt Bogen in der Linken, den rechten Arm lässig auf ein...
