Das Besondere sein
Herr Konold, Sie sind seit diesem Jahr als Nachfolger von Wolfgang Gönnenwein künstlerischer Leiter der Ludwigsburger Festspiele und gleichzeitig Intendant des Staatstheaters Nürnberg. Was hat Sie an dieser Aufgabe und an dieser Doppelrolle gereizt?
Zwei Dinge. Zum einen: Ich vergleiche ein Staatstheater mit fünfhundert Mitarbeitern immer mit einem Supertanker. Sie stehen auf der Brücke und sagen: «Jetzt will ich nach rechts» , dann sagt der Rudergänger «scharf rechts», und das Boot fährt trotzdem noch einen Kilometer weiter geradeaus, bevor es reagiert.
Man kann viel und Interessantes bewegen mit einem solchen Apparat, aber die Trägheit ist ein wenig höher, während Festspiele aus meiner Sicht das Schnellboot sind. Man kann spontaner damit umgehen, und man hat natürlich, gemessen an einem Theater, sehr viel mehr freie Mittel für Kunst. Ich habe in Ludwigsburg inklusive Logistikkosten gut zwei Drittel meines Etats für die künstlerischen Projekte, in Nürnberg sind es – Milchmädchenrechnung insofern, als ich Orchester, Chor, Sänger, Schauspieler und Tänzer ganzjährig bezahle und entsprechend einsetzen kann – ungefähr fünf Prozent. Auf der anderen Seite muss ich in Ludwigsburg jeden ...
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Historische «Anfänge» sind immer heikel. Nachdem Wolfram Steude 1991 einen Brief Heinrich Schütz’ vorweisen konnte, der zweifelsfrei belegt, dass dessen von Friedrich dem Großen vorsätzlich vernichtete «Dafne» (1627), «die erste deutsche Oper», überhaupt keine Oper war und weil Sigmund Stadens «Seelewig» (1644), die «erste erhaltene deutsche Oper» (siehe OW...
Tokio, Ende September. In den Katakomben der Kongress- und Konzerthalle Bunka Kaikan. «Tannhäuser», erster Aufzug. Auf der Bühne schmettert Venus (alias Waltraud Meier) gerade dem zur Abreise entschlossenen Titelhelden (alias Robert Gambill) die Wut der düpierten Liebhaberin ins Gesicht: «Nie wird Vergebung dir zuteil.» Hinter den Kulissen schleicht bereits Matti...
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