Dolch aus dem Gewande
Ein kahl rasierter Schädel. Die Stirn leuchtet kalt. Stechende Augen, schwarz gerändert. Ein Blick, der töten könnte. Hinten lodert es goldgelb. Wo ich bin, suggeriert das angeschnittene Gesicht auf dem Programmheft des Staatstheaters Braunschweig, da brennt die Luft. Wer mir zu nahe kommt, dem kocht das Blut in den Adern über. Cardillac ist in Klaus Weises (aus Bonn übernommener) Hindemith-Inszenierung ein dämonischer Jedermann, ein Archetyp des genialischen Künstlers, der mit dunklen Mächten im Bunde steht und für seine Preziosen über Leichen geht.
In schwarzer Lederkluft treibt er sein teuflisches Spiel. Und das Paris von Louis XIV., in dem Librettist Ferdinand Lion die Handlung frei nach E. T. A. Hoffmanns Novelle «Das Fräulein Scuderi» spielen lässt, hat hier (anders als Hindemiths Partitur) weniger mit der Welt des Barock und Rokoko als mit den Architekturen des expressionistischen deutschen Films und mit der Entstehungszeit des «Cardillac» (UA 1926) zu tun.
Variable Treppen und Türen, die den Guckkasten füllen, ein klaustrophobischer Einheitsraum in Nachtschwarz und Feldgrau – Bühnenbildner Martin Kukulies hat sehr genau bei Georg Wilhelm Pabst, Friedrich Wilhelm Murnau und ...
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