Letzte Bastion
Die 1823 in Venedig uraufgeführte «Semiramide» ist die letzte, größte und – mit fast vier Stunden Spieldauer – längste Oper, die Rossini für Italien schrieb. Das verworrene Sujet um die babylonische Königin Semiramis, die mit Hilfe ihres Geliebten Assur ihren Gatten Nino getötet hat und an seiner Stelle regiert, bevor schließlich ihr Sohn Arsace den Vater rächt, gehört zu den meistvertonten Stoffen der Operngeschichte.
Dramaturgisch versackt das Stück mit seinen operntypischen Intrigen irgendwo zwischen blassem Klassizismus und schauriger Prä-Romantik, fesselt als emotionales Hörtheater aber für einen langen Abend. Seit der Wiederbelebung durch Joan Sutherland und Marylin Horne in den 1960er-Jahren sind zahlreiche, meist mehr oder minder gekürzte Studioeinspielungen und Livemitschnitte erschienen. Sie alle toppt jetzt die ungekürzte Aufnahme durch die Londoner Opera Rara Society, die sich in den 40 Jahren ihres Bestehens große Verdienste um die Wiederentdeckung vergessener Meisterwerke des frühen 19. Jahrhunderts erworben hat.
Als absolutes Plus gegenüber der diskografischen Konkurrenz so bewährter Rossini-Dirigenten wie Alberto Zedda oder Antonino Fogliani erweist sich dabei die ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Uwe Schweikert
Das letzte Wort ist noch nicht gesungen. Etwas mehr als die Hälfte des Textes, der ihn seit einer gefühlten Ewigkeit umtreibt, hat György Kurtág nun «vertont». Aber natürlich ist er mit «Fin de partie» nicht fertig. Mit dieser stockenden, komischen, lakonisch atmenden Sprachmusik Samuel Becketts, der er 1957 in Paris erstmals begegnete, kurz nach der Uraufführung...
Herr Padmore, Sie haben nie ein Hehl daraus gemacht, dass Sie keine große Stimme haben. Wenn ich jetzt sage: «Ihre Karriere ist das Ergebnis einer grandiosen Kompensation», stehen Sie dann gleich wieder auf und gehen?
(lacht) Wenn ich einen tollen Klang hätte, würde ich ihn einsetzen, keine Frage. Aber wie die Dinge liegen, muss ich eben behaupten, darauf kommt es...
Drei verschiedene Opern an drei aufeinanderfolgenden Tagen: Was in Berlin oder Wien noch immer selbstverständlich scheint, ist in Italien eine Attraktion. Längst hat restriktive Kulturpolitik die einst blühende Opernlandschaft zwischen Triest und Catania zerschlagen. Ausgenommen sind ein paar Leuchttürme wie La Scala oder das Orchester der Accademia di Santa...
