Auf Abwegen
Glitter und Glamour so weit das Auge reicht: roter Teppich, silberne Vorhänge, schillerndes Licht. Ein Jahrmarktskarussell, das in der Bühnenmitte rotiert, lässt meterlange Glitzerfäden durch die Lüfte wirbeln. An Silberfolie wurde nicht gespart in Tilman Gerschs Inszenierung von Strawinskys «The Rake’s Progress». Der Regisseur lässt die Geschichte vom tragischen Abstieg des Lebemanns Tom Rakewell auf einer Showbühne spielen, die mal in Richtung Hollywood tendiert, mal an Varieté, Zirkus oder Stegreiftheater erinnert.
Inspiriert wurde Strawinsky durch die Kupferstichserie des englischen Barockmeisters William Hogarth. Den Komponisten faszinierte vor allem die Bühnenhaftigkeit der Bilderreihen, die ihm wie eine Folge von Opernszenen vorkamen.
«The Rake’s Progress» ist eine Oper über Oper, konstruiert aus musikalischen Zitaten und szenischen Archetypen. Der Gedanke, die Handlung in eine Theaterkulisse zu verlegen, ist daher durchaus naheliegend. Doch die trashig-bunte Bilderwelt, die Gersch und sein Bühnenbildner Thomas Dörfler heraufbeschwören, steht mit Strawinskys feinsinnig-neoklassizistischer Ästhetik kaum in Einklang. Statt den vielen musikalischen Anspielungen treffendes ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Silvia Adler
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